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Erneuerbare Energien: Umdenken bei der Flächennutzung bereits im Gange

Windräder & Solaranlage

Deutschland verfügt bei der Flächennutzung für erneuerbare Energien über einige Reserven. Allerdings ist dafür ein Umdenken erforderlich.

Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass die Nutzung umwelt- und klimafreundlicher Energielieferanten in Deutschland dringend einen weiteren Ausbau erfordert. Das zeigt der Blick auf die aktuelle Energiekrise sehr deutlich. Aber müssen erneuerbare Energien unbedingt mit Einschränkungen bei der Flächennutzung für die Landwirtschaft oder eine Bebauung einhergehen? Sollen Windkraftanlagen weiterhin in Wäldern oder in der Nähe von Wohngebieten entstehen, wenn es für die Flächennutzung für erneuerbare Energien andere Konzepte und Reserven gibt? Solche alternativen Standorte stehen auch in Deutschland zur Verfügung und werden teilweise bereits genutzt.

Welche Alternativflächen für Windkraft und Solarkraftwerke gibt es?

Eine Umweltschutzorganisation aus den USA präsentiert einen guten Weg. Findige Köpfe von „The Nature Conservancy“ kamen auf die Idee, Restlöcher von Kohletagebauen als Standorte für Windparks und Solarparks zu nutzen. Eigens dafür kauften sie umfangreiche Ländereien mit Tagebaurestlöchern auf und riefen beispielsweise das „Highlands Solar Project“ ins Leben. Dort entsteht auf einer Fläche von rund 5 Quadratkilometern im Südwesten des US-Bundesstaats Virginia ein Solarpark mit einer geplanten Nennleistung von 50 Megawatt, der rund 12.500 Haushalte mit Strom versorgen kann. Es ist nicht das erste Projekt dieser Art, das die Umweltschutzorganisation umsetzt. Inzwischen gibt es bereits mehre Restlöcher von ehemaligen Kohletagebauen, in denen auf die Initiative der Umweltschützer/-innen in Kooperation mit regionalen Energieunternehmen Solarparks installiert wurden. Sie schlagen vor, in geeigneten Regionen auf dem Terrain stillgelegter und verfüllte Tagebaue auch Windparks zu errichten.

Ist die Idee einer solchen Nutzung ehemaliger Tagebaue auf Deutschland übertragbar?

Deutschland will (wenn auch durch die Folgen der Energiekrise mit Verzögerungen) zeitnah aus der Kohleverstromung aussteigen. Auch das Ende der Verbrennung von Kohle zur Wärmegewinnung ist bereits absehbar. Was wird dann aus den ganzen Tagebauen? Bisher ist es in Deutschland üblich, die Mehrheit der Tagebaurestlöcher zu fluten. Nur wenige Exemplare der Hinterlassenschaften des Kohleabbaus über Tage werden verfüllt und dann rekultiviert. Bitte verstehen Sie uns nicht falsch! Wir halten das für keine schlechte Sache, weil dadurch viele hochwertige Naherholungsgebiete oder sogar Freizeitparks (Beispiel Belantis in der Nähe von Leipzig) entstehen.
Aber die Anforderungen an den Klimaschutz und die Folgen der Energiekrise erfordern auch in Deutschland ein Umdenken. Nicht aus jedem Tagebaurestloch sollte ein See werden. Zum Verfüllen wären beispielsweise der Aushub aus den Baugruben für den stark forcierten Wohnungsbau sowie nicht recycelbarer, verbrennbarer oder kompostierbarer Abfall (insbesondere Bauschutt) geeignet. Danach könnten auf diesen Flächen an geeigneten Standorten ebenfalls größere Solarparks oder Windparks entstehen, ohne das Flächen für die Landwirtschaft verknappt oder die Flora und Fauna von Wäldern in Mitleidenschaft gezogen werden müsste.

Zu schließende Tagebaue in Deutschland bieten riesiges Flächenpotenzial

In den nächsten zehn Jahren soll der Betrieb in mehreren großen Tagebauregionen in Deutschland enden. Bei ersten Restlöchern des Kohletagebaus hat das erforderliche Umdenken bereits eingesetzt. Ein Beispiel ist der Tagebau Jänschwalde, wo eine gemischte Nachnutzung geplant ist und auf dem Abraumterrain teilweise schon realisiert wurde. Insgesamt soll das Gelände des Braunkohletagebaus nach der kompletten Schließung und dem Abschluss aller Installationen rund 100 Megawatt Windenergie und bis zu 400 Megawatt Sonnenergie liefern. Allerdings ist eine solche Nachnutzung nicht überall möglich. Für eine komplette Verfüllung des Kohletagebaus Inden in Nordrhein-Westfalen wäre die benötigte Volumenmenge viel zu groß. Dafür sorgt die Stärke der nutzbaren Kohleflöze, die bei stolzen 45 Metern liegt. In Jänschwalde liegt die Dicke der Kohleflözschicht dagegen nur bei einem Mittelwert von 10 Metern. Eine kombinierte Nachnutzung wie in Jänschwalde ist auch für den Tagebau Profen in Sachsen-Anhalt beschlossen wurden. Nach der geplanten Schließung (nach aktuellem Stand voraussichtlich 2030) soll dort ein Windpark mit einer Gesamtnennleistung von 90 Megawatt entstehen. Im Abraumbereich tragen bereits Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von knapp 30 Megawatt zur Stromversorgung in der Region bei.

Quelle: The Nature Conservatory, Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft, Vattenfall, RWE