Erdölpreise schwankten zu Wochenbeginn kräftig: Was sind die Gründe?

Zu Beginn der dritten Septemberwoche 2019 gab es bei den Rohölpreisen an den Rohstoffbörsen kräftige Schwankungen. Binnen weniger Stunden stiegen die Preise um rund 9 Prozent.

Doch Verbraucher in Deutschland müssen sich vorerst keine Sorgen machen, dass die Erdölpreise voll auf die Preise für Kraftstoffe und Heizöl durchschlagen. Die Preiserhöhung dürfte nach den aktuellen Erkenntnissen kurzzeitiger Natur sein.

Wie sahen die Erdölpreise zu Wochenbeginn genau aus?

Bis zum Mittag des 16. September 2019 pegelten sich die Höchstpreise bei der Sorte WTI im Vergleich zum Schlusswert des vorherigen Handelstages um bis zu rund 8,7 Prozent höher ein. Bei der Sorte BRENT fiel die Preissteigerung zeitgleich mit rund 9,05 Prozent sogar noch deutlich höher aus. Der Spitzenwert beim WTI-Erdöl lag am Montagvormittag bei bis zu 63,34 US-Dollar pro Barrel. Bei BRENT-Erdöl wurden zeitweise bis zu 71,95 Dollar verlangt. Insgesamt gab es in den letzten drei Monaten sehr starke Schwankungen. Der Tiefstwert wurde zum Ende der ersten Augustwoche 2019 erreicht. Noch liegen die Preise pro Barrel aber deutlich unter den Spitzenwerten der letzten zwölf Monate. Das 52-Wochen-Hoch wurde bei WTI-Erdöl Anfang November 2018 mit 76,41 Dollar erreicht. Ebenfalls am 3. November 2018 verzeichnete das Barrel BRENT-Erdöl mit 86,29 Dollar das 52-Wochen-Hoch. Zuvor waren die Erdölpreise seit dem Sommer 2017 kontinuierlich geklettert.

Was sind die Ursachen der aktuellen Schwankungen der Erdölpreise?

Der Hauptgrund für die Preissprünge ist ein Drohnenangriff auf eine der großen Ölraffinerien in Saudi-Arabien. Das Land gehört zusammen mit den USA und Russland zu den weltweit bedeutendsten Lieferanten von Erdöl. Im ersten Halbjahr 2019 wurden durchschnittlich 9,7 Millionen Barrel pro Tag in Saudi-Arabien gefördert. Russland brachte es zeitgleich auf einen Schnitt von 11,1 Millionen Barrel. Spitzenreiter waren die USA mit 11,9 Millionen Barrel pro Tag. Deutsche Kunden dürften von den Folgen des Drohnenangriffs kaum betroffen sein. Der Grund ist, dass lediglich rund ein Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdöls aus Saudi-Arabien stammt.

Für eine lediglich temporäre Erhöhung der Ölpreise spricht auch die Tatsache, dass andere Ölförderländer ihre Kapazitäten sehr schnell erhöhen und die Ausfälle in Saudi-Arabien ausgleichen können. Zudem hatte Donald Trump per Twitter bereits zugesichert, notfalls seine nationalen Ölreserven anzuzapfen. Nach den Prognosen des Ifo-Instituts dürften sich die Erdölpreise binnen kurzer Zeit wieder normalisieren. Das ist auch dringend notwendig, damit die ohnehin schwächelnde Konjunktur nicht zusätzlich durch hohe Erdölpreise in Mitleidenschaft gezogen wird. Zudem kommt es darauf an, wie lange die Mitarbeiter der von Drohnen attackierten Raffinerie brauchen, um die Schäden zu beseitigen. Die Dauer der notwendigen Reparaturen lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau einschätzen.

Quelle: Bloomberg, Börse Frankfurt, statista