Durch den Menschen verursachte Umweltkatastrophen: Aralsee

Der Aralsee gehört zu den Stellen der Erde, an denen sich die lange fehlende Rücksicht des Menschen auf die Umwelt am deutlichsten zeigt.

Einst landete der Aralsee auf der Rangliste der größten natürlichen Binnenseen der Erde unter den Top 5. Inzwischen ist er auf den Platz 42 abgerutscht. Aber auch dieser Rang lässt sich nur durch einen Damm halten, der allerdings erhebliche Umweltnachteile hat. Der See in Kasachstan und Usbekistan ist ein Paradebeispiel für die Folgen der Misswirtschaft beim Umgang mit Wasser.

Wie hat sich der Aralsee in den letzten Jahrzehnten verändert?

Vor dem Beginn der rasanten Austrocknung hatte der Aralsee in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Gesamtfläche von etwa 68.000 Quadratkilometern. 2015 brachte er es lediglich noch auf rund 8.300 Quadratkilometer. Die Geschwindigkeit der Austrocknung zeigt ein Blick auf Daten aus dem Jahr 1990. Damals brachten es der südliche und der nördliche Teil des Aralsees zusammen noch auf eine Gesamtfläche von 36.000 Quadratkilometern. Das Wasservolumen im Jahr 2007 lag mit 75 Kubikkilometern bei weit weniger als zehn Prozent des Werts aus dem Jahr 1950. Durch die zunehmende Austrocknung stieg auch der Salzgehalt massiv an. Er verdreifachte sich von 1950 bis 1990. Aktuell werden stellenweise bis zu 150 Gramm Salz pro Liter gemessen. Das stellt ein Vielfaches des Salzgehalts der Ozeane dar. Sie bringen es auf etwa 35 Gramm pro Liter. Die Folgen der Austrocknung waren massive Wellen von Fischsterben, ein Rückzug der Küstenlinien stellenweise um bis zu 75 Kilometer und die Bildung einer Salzwüste.

Was sind die Ursachen der Austrocknung des Aralsees?

Große Schwankungen der Wassermenge und Wassertiefe im Aralsee hat es in der Geschichte schon öfter gegeben. Dabei spielen vor allem tektonische Veränderungen eine große Rolle. Ihr Anteil an der aktuellen Austrocknung ist nicht nennenswert. Die Hauptfaktoren sind der Umgang der Menschen in der Region mit Wasser und die Folgen des globalen Klimawandels. Das zeigt sich am Beitrag der Flüsse, die an der Speisung des Aralsees beteiligt sind. Sie brachten Mitte des 20. Jahrhunderts noch rund 60 Kubikkilometer Wasser pro Jahr. Inzwischen liegt ihr Beitrag lediglich noch bei rund einem Viertel dieser Menge. Urheber sind die Kolchosen entlang der Flussläufe, die Unmengen Flusswasser zur Bewässerung ihrer Felder entnehmen. Besonders deutlich zeigt sich das am Amudarja, dessen Fluten den Aralsee seit kurz vor der Jahrtausendwende gar nicht mehr erreichen. Bis in die die 1970er Jahre trug er noch rund 1775 Kubikmeter pro Sekunde zur Speisung des Aralsees bei.

Der zur Rettung des Aralsees in den 1950er Jahren gefasste Dawydow-Plan wurde aufgrund der hohen Kosten verworfen. Stattdessen wurde von 2003 bis 2005 der Kokaral-Damm gebaut. Er zeigte zumindest zeitweise Erfolge bei der Rettung des nördlichen Teils des Aralsees. Allerdings gehen sie zu Lasten des südlichen Teils. Zudem gab es 2018 erste Berichte über technische Mängel am Kokaral-Damm. Sie machen es unmöglich, das ursprünglich geplante Stauziel weiterhin zu sichern.

Quelle: MFGA, WBGU, USGS, Mare