Droht den Kassen ein Defizit?

Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland sind derzeit gesegnet: Sie erwirtschaften massive Überschüsse. Allerdings könnte sich dies laut einer Prognose in den kommenden Jahren ändern und es könnte zu einem Milliarden-Defizit kommen. Dem könne man fast nur mit Beitragssteigerungen begegnen.

In einer am Mittwoch in Gütersloh veröffentlichten Berechnung heißt es, dass die gesetzlichen Kassen 2040 bereits ein Defizit von 50 Milliarden Euro aufweisen werden, wenn die Politik nicht rechtzeitig gegensteuert. Die Prognose wurde im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt. Sie geht davon aus, dass man die Beitragssätze von aktuell 14,6 Prozent schrittweise bis zum Jahr 2040 auf 16,9 Prozent erhöhen müsse. Nur dann könnten die erwarteten Ausgabensteigerungen abgedeckt werden.

Politik muss zeitnah handeln

Bertelsmann-Vorstand Brigitte Mohn mahnt die Politik, zeitnah zu handeln. Bereits ab Mitte der 2020er Jahre dürfte die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben der Kassen wieder deutlich auseinander gehen.

Vor allem die demografische Entwicklung sei für diesen Trend verantwortlich. Je mehr ältere Menschen im System sind, desto mehr Gesundheitsleistungen werden benötigt. Zudem gehen in Zukunft viele geburtenstarke Jahrgänge in Rente, was die Einnahmen der Kassen weiter senke.

Wie der Stiftungsexperte Stefan Etgeton erklärte, habe die Politik zwar keinen Einfluss auf Faktoren, wie die Entwicklung der Beschäftigung und der Einkommen oder die Preisentwicklung im Gesundheitswesen, allerdings gibt es andere Stellschrauben, an denen die Regierung drehen könnte. Überkapazitäten im Klinikbereich ließen sich etwa abbauen, um so Kosten einzusparen.

Bundeszuschuss muss steigen

Die Bertelsmann Stiftung fordert zudem eine Anhebung des Bundeszuschusses. Dieser liegt aktuell bei jährlich 14,5 Milliarden Euro und sollte schrittweise angepasst werden. Soll der allgemeine Beitragssatz ohne Zusatzbeitrag bei rund 15 Prozent stabil gehalten werden, müsse man den Bundeszuschuss schon ab 2028 alle zwei Jahre erhöhen. 2040 müsste dieser bereits bei 70 Milliarden Euro liegen, so die Berechnungen.

Aktuell zahlen gesetzlich Versicherte einen allgemeinen Beitrag von 14,6 Prozent. Die einzelnen Kassen können jedoch einen individuellen Zusatzbeitrag erheben. Im letzten Jahr haben die gesetzlichen Krankenkassen einen Überschuss von zwei Milliarden Euro erwirtschaftet, wie aus Angaben des Bundesgesundheitsministeriums hervorgeht. Ein Jahr zuvor lagen die Überschüsse noch bei drei Milliarden Euro. Trotzdem hat der GKV-Spitzenverband zuletzt mit vorerst robusten Einnahmen gerechnet, obwohl die Konjunkturaussichten sich abgeschwächt haben. Im Sommer warnte der Verband jedoch vor erheblichen Ausgabenrisiken.

Quelle: dpa