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Das könnte die Aufhebung der privaten Krankenversicherung bringen

Euro-Banknoten

Eine Studie hat sich mit dem Thema Krankenversicherungen beschäftigt. Würden die privaten Krankenversicherungen wegfallen, könnten die gesetzlichen Kassen mit den bisherigen Privatpatienten ein Plus von neun Milliarden Euro erzielen – pro Jahr. Die Beiträge der gesetzlich Versicherten könnten im Schnitt um 145 Euro sinken.

Die Daten beruhen auf der Annahme, dass Privatpatienten finanziell leistungsstärker sind und wurden in einer repräsentativen Studie des Iges-Instituts im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ausgewertet. Mit der aktuellen Studie wird die Diskussion um eine Bürgerversicherung weiter angeheizt.

Privatpatienten: 56 Prozent mehr Einkommen?

In der Untersuchung geht man davon aus, dass die Versicherten in der PKV vor allem Gutverdiener sind. Dazu zählt man die Beamten, sowie sehr einkommensstarke Selbstständige. Sie sollen im Schnitt rund 56 Prozent mehr als gesetzlich Versicherte verdienen. Auch seien sie tendenziell gesünder, heißt es weiter.

Wenn diese Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert wären, könnte sie einen Nettofinanzüberschuss zwischen 8,7 und 10,6 Milliarden Euro erzielen. Damit könnte man den Beitragssatz um 0,6 bis 0,7 Prozentpunkte senken. Die Studie verweist zudem darauf, dass sich innerhalb Europas nur Deutschland ein duales System leiste. Privatpatienten könnten sich damit dem Solidarausgleich entziehen.

Die Studie basiert auf den jüngsten Daten aus dem Jahr 2016, die in einer jährlich durchgeführten Wiederholungsbefragung von rund 12.000 Haushalten ermittelt werden. Rund 8,8 Millionen Menschen waren damals wie heute privat versichert. Die gesetzlichen Kassen kamen auf 70,4 Millionen Versicherte, aktuell haben sie 73,2 Millionen Versicherte aufgrund der Zuwanderung, so Stiftungsexperte Stefan Etgeton.

Beitragssenkung zu Lasten der Ärzte?

Die hohe Beitragssenkung wäre jedoch nur möglich, wenn Ärzte verzichten würden. Würde man diesen die Honorarverluste, die durch den PKV-Wegfall entstehen, ausgleichen, wäre nur noch eine Beitragssenkung um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte möglich. Die jährliche Entlastung läge dann nicht mehr bei 145 Euro, sondern nur noch bei 48 Euro.

Die Studie hat zudem beleuchtet, wie es um das Ärzteangebot bestellt ist. Demnach lassen sich in Regionen mit mehr Privatversicherten auch mehr Ärzte nieder. Schließlich können sie einem Privatpatienten im Schnitt eine zweieinhalbfach höhere Vergütung als Kassenpatienten berechnen, was einen Anreiz schafft.

Die Bertelsmann-Stiftung warnte im Zusammenhang mit dem dualen System der Krankenversicherung in Deutschland vor Solidaritätsverlusten und einer Schwächung des sozialen Zusammenhalts. Etgeton findet dafür deutliche Worte: „Der durchschnittliche GKV-Versicherte zahlt jedes Jahr mehr als nötig, damit sich Gutverdiener, Beamte und Selbstständige dem Solidarausgleich entziehen können“.

Krankenversicherung soll reformiert werden

Aus diesem Grund fordert die Bertelsmann-Stiftung einen Umbau in der Kranken- und Pflegeversicherung. So solle der Wechsel von der PKV in die GKV erleichtert werden. Auch eine integrierte Kranken- und Pflegeversicherung könnte man sich vorstellen. In dieser wären alle Bürger pflichtversichert. Dafür müsse man aber die Versicherungspflichtgrenze aufheben. Die Beiträge, die zu zahlen sind, sollten sich dann an der finanziellen Leistungsfähigkeit und nicht dem Gesundheitsrisiko des Einzelnen orientieren.

Quelle: dpa