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Coronakrise vergrößert die vorhandene Wohlstandslücke

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Inzwischen bestätigen mehrere Studien, dass die Einkommensausfälle durch die Coronakrise wirtschaftlich schwache Haushalte am stärksten treffen.

Die Schere zwischen armen und reichen Menschen, auch Wohlstandslücke genannt, geht durch die Folgen der Coronakrise immer weiter auf. Leider gibt es nur wenige Topverdiener, die in der Krise bereit sind, auf Teile ihres Einkommens zu verzichten, um die Lasten besser zu verteilen. Disney ist in dieser Hinsicht sowohl ein positives als auch negatives Beispiel.

Was macht Disney bei der Wohlstandslücke zum Präzedenzfall?

Der ehemalige Disney-Chef Bob Iger hat in Krisensituationen schon mehrfach Vorbildwirkung bewiesen. Auch in der Coronakrise zeigte er seinen Sinn für Gerechtigkeit und verzichtete auf sein vollständiges Jahresgehalt als Vorstandsvorsitzender. Der neue Geschäftsführer Bob Chapek zog mit einem Verzicht auf 50 Prozent seines Gehalts nach. Außerdem wurden bei den Führungskräften mit hohen Gehältern ab April 2020 Kürzungen zwischen 20 und 30 Prozent vorgenommen. Das Ziel war, Massenentlassungen aufgrund der Umsatz- und Gewinnausfälle durch Corona-Lockdowns so lange wie möglich hinauszuzögern. Bis dahin wäre der Konzern ein sehr positives Beispiel.
Allerdings kehrt sich die Vorbildwirkung jetzt ins Gegenteil um. Anfang Oktober 2020 kündigte Disney an, rund 28000 Mitarbeiter entlassen zu müssen. Der Grund ist die Zurückhaltung des kalifornischen Gouverneurs Gavin Newsom bei der Lockerung der Maßnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 und der Schaffung von Möglichkeiten zur vollständigen Wiedereröffnung der Vergnügungsparks. Zeitgleich mit der Ankündigung der Massenentlassung endete die Reduzierung der Gehälter der Topverdiener des Disney-Konzerns. Diese Vorgehensweise ist mit Blick auf die durch die Coronakrise vergrößerte Wohlstandsschere moralisch fragwürdig, zumal die ohnehin von den Krisenfolgen am stärksten betroffenen Familien mit Kindern die Hauptzielgruppe des Unternehmens sind.

Frauen trifft die von der Coronakrise vergrößerte Wohlstandslücke besonders hart

Bei der Mehrheit der Entlassungen bei Disney soll es sich nach Angaben des Unternehmens um Teilzeitbeschäftigte handeln. Das sind in der Regel Frauen, die neben dem Beruf auch die Kinderbetreuung stemmen müssen. Die starke Betroffenheit der Frauen bei den Folgen der Coronakrise bestätigt auch eine aktuelle Studie aus Deutschland. In einer Zusatzbefragung fand das Nationale Bildungspanel (NEPS) heraus, dass die Folgen der Schließungen von Schulen, Schulhorten und Kindertagesstätten mehrheitlich zu Lasten der Berufstätigkeit der Mütter gingen. Nur in wenigen befragten Familien übernahmen die Väter die Kinderbetreuung allein oder überwiegend. Auch bei einem erneuten Lockdown, den angesichts der steigenden Zahlen der Neuinfektionen mit COVID-19 niemand mehr zu 100 Prozent ausschließen kann, wäre die Lastverteilung in den Familien genauso. Noch schlimmer trifft es Alleinerziehende, die nicht auf die Unterstützung pensionierter Omas und Opas zurückgreifen konnten und können. Sie mussten gravierende Einkommenseinbußen hinnehmen. Interessant wäre bei der Bewertung der Studie auch ein Blick auf die Langzeitfolgen beispielsweise für die Altersrente. Dazu liegen allerdings bisher keine wissenschaftlich erhobenen Zahlen vor.

Quelle: Disney, NEPS