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Care-Energy kann nicht mehr liefern

Stromkunden, die sich für den Anbieter Care-Energy entschieden haben, landen seit einiger Zeit vermehrt in der Ersatzversorgung. Das hat zwar den Vorteil, dass sie nicht fürchten müssen, im Dunkeln zu sitzen, gleichzeitig sind die Preise in der Ersatzversorgung oft hoch und können zu deutlichen Nachzahlungen führen. Grund für das Aus der Stromlieferung von Care-Energy ist der Streit mit dem Verteilnetzbetreiber 50Hertz. Ende Juni ist dieser Streit eskaliert und mittlerweile haben auch kleinere Übertragungsnetzbetreiber Care-Energy die Zugänge gekappt.

Das System Care-Energy ist dabei hochkomplex. So sieht sich die Hamburger Care-Energy Management GmbH nicht als Stromversorger, sondern viel mehr als Dienstleister. Im Rahmen seiner Tätigkeit schließt er Verträge mit Lieferanten ab. Das Landgericht Berlin hat diese Vorgehensweise bereits als „Schein-Contracting“ bezeichnet. Durch diese Vorgehensweise versucht Care-Energy für sich selbst Vorteile zu erwirtschaften. Als Dienstleister sieht man sich nicht zur Zahlung der EEG-Umlage verpflichtet und handelte sich damit in der Vergangenheit schon häufiger Ärger mit Netzbetreibern ein.

Wie steht es aktuell bei Care-Energy?

Bereits am 27. Juni hat Care-Energy den laufenden Vertrag mit 50Hertz gekündigt. Der Übertragungsnetzbetreiber ist für die neuen Bundesländer und Hamburg zuständig. In der Begründung zur Kündigung hieß es, 50Hertz habe falsch abgerechnet. Das Unternehmen ließ das nicht auf sich sitzen, sprach nur einen Tag später die fristlose Kündigung aus, denn Care-Energy habe zwei Abschlagszahlungen nicht bezahlt.

Mittlerweile werden auch Tausende Kunden aus anderen Regionen Deutschlands nicht mehr von Care-Energy versorgt. Denn auch die Bayernwerk AG und das EWE Netz als Verteilnetze haben sich entschlossen, Care-Energy die Zugänge zu kappen, nachdem das Unternehmen hier ebenfalls Abrechnungen bemängelt hatte. Laut Aussagen von Care-Energy wurden erhöhte Verbrauchsmengen angesetzt und falsche Zählerstände bei einem Wechsel des Stromversorgers angegeben. Dadurch würden die Kosten für Care-Energy steigen.

Das Problem an der Situation: In den betreffenden Versorgungsgebieten gibt es nur einen Netzbetreiber. Care-Energy kann also nicht einfach zur Konkurrenz wechseln, sondern müsste einen eigenen Netzbetreiber gründen oder sich an einen bestehenden Betreiber angliedern.

Wie sieht die Lage derzeit für Care-Energy-Kunden aus?

Das Positive vorweg: Kann der Energieversorger seine Kunden nicht mehr mit Strom beliefern, werden diese automatisch vom örtlichen Anbieter in der Ersatzversorgung versorgt. Es muss also niemand auf den Strom verzichten. Allerdings sind die Konditionen des örtlichen Grundversorgers oft ungünstiger und es können dadurch hohe Nachzahlungen fällig werden.

Care-Energy selbst beruhigte seine Kunden mit Schreiben vom 29.06.2016. Darin hieß es, die Kunden müssten „NICHTS tun, die Ruhe bewahren und das Unternehmen seine Arbeit machen lassen“. Jedoch ist davon auszugehen, dass nur die wenigsten Care-Energy-Kunden an diese Aussagen glauben. Problematisch ist zudem: Trotz des Übergangs in die Ersatzversorgung endet der Vertrag mit Care-Energy nicht automatisch. Generell lässt sich der Vertrag nur durch Kündigung beenden. Care-Energy hat dabei vorgegriffen und Tausenden Kunden in den letzten Tagen bereits fristlos gekündigt.

Energiekunden, die in der Grund- und Ersatzversorgung gelandet sind, sollten jetzt aber nicht tatenlos bleiben, sondern sich gezielt nach einem neuen Anbieter umsehen. Im Stromanbietervergleich lassen sich neben Care-Energy auch zahlreiche andere Anbieter finden, die Strom zu günstigen Preisen liefern. Wurde der eigene Vertrag noch nicht gekündigt, sollte man die Kündigung selbst aussprechen. Dabei sollte man sich auf Paragraf 314 des BGB berufen, in dem es heißt, dass eine Kündigung aus wichtigem Grund erfolgt. Allerdings ist diese nur möglich, wenn Care-Energy tatsächlich langfristig nicht mehr liefern kann. Im Zweifel sollten Kunden dem Unternehmen eine Frist setzen, bevor sie endgültig kündigen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Care-Energy die Versorgung wieder aufnimmt und man möglicherweise zwei Anbieter bezahlen muss.

Was sollten Kunden tun, wenn sie in der Ersatzversorgung gelandet sind?

Sind die Kunden bereits in der Ersatzversorgung gelandet, sollten sie zunächst ihre Zählerstände ablesen und sie dem Netzbetreiber, dem Grundversorger und Care-Energy mitteilen, um eine möglichst genaue Abrechnung gewährleisten zu können. Die Anbieter selbst haben bis zu sechs Wochen nach Vertragsende Zeit, die Abrechnung zu erstellen. Allerdings sind sich Experten nicht sicher, ob Care-Energy diesen Zeitplan einhalten kann.

Generell bieten Grundversorger die Ersatzversorgung für drei Monate an. In diesem Zeitraum können Verbraucher zu einem beliebigen anderen Anbieter wechseln. Auch ein Sondervertrag beim Grundversorger ist denkbar, der in der Regel deutlich preiswerter ausfällt. Allerdings geht man mit diesem oft auch eine Vertragsbindung von zwölf bis 24 Monaten ein. Wer gar nichts tut, wechselt nach drei Monaten von der Ersatzversorgung in die Grundversorgung, die ebenfalls recht teuer ist. Sie lässt sich aber jederzeit binnen 14 Tagen kündigen.

Quelle: dpa