Amazon plant Zwei-Stunden-Lieferung in Berlin

Der Versandhandelsriese Amazon will in Berlin künftig Bestellungen bereits zwei Stunden nach Bestelleingang ausliefern. Dafür baut man gerade ein Geschäftshaus am Berliner Kurfürstendamm zum Warenlager aus. Insgesamt 10.000 Artikel aus dem Sortiment sollen dort eingelagert werden. Von Amazon selbst gab es bisher noch keine Bestätigung zu dem Vorhaben, allerdings dementierte der Konzern es auch nicht.

Zwei-Stunden-Lieferung in Berlin soll ab Mai starten

Bereits ab Mai sollen Kurierfahrer in der Bundeshauptstadt die Bestellungen binnen zwei Stunden an die Kunden ausliefern. Zunächst sollen zehn Fahrer in zwei Schichten an sechs Tagen die Woche die Auslieferungen übernehmen. Die Lieferung soll innerhalb des Stadtgebiets binnen zwei Stunden erfolgen, wobei sich das Angebot zunächst nur an „Prime Now“-Kunden richten soll.

Es gibt bereits erste Stimmen, die behaupten, Amazon gehe es nicht um die schnellere Auslieferung der Waren, sondern vielmehr darum, eine eigene Zustellung aufzubauen. Dafür wolle das Unternehmen aber keine eigene Firma gründen, sondern auf bereits vorhandene Kurierdienste setzen. Verlierer bei diesem Projekt ist die Posttochter DHL, die bisher die meisten Aufträge von Amazon ausliefert.

Auch Horst Manner-Romberg, Chef der Beratungsfirma MRU in Hamburg bestätigt, dass schon andere Onlinehändler ähnliche Wege gehen. Sie bauen sich in den Innenstädten eigene Warenlager auf und beauftragen statt der großen Paketzusteller Kuriere und Stadtboten mit der Auslieferung. Außerdem könnte Amazon mit der noch schnelleren Lieferung immer neue Kunden an sich binden.

Acht Milliarden US-Dollar gibt Amazon für den Versand aus

Während jedoch andere Händler eine Lieferung zum Wunschtermin anbieten, gibt Amazon die Lieferung am Bestelltag als Standard an und schafft somit neue Bedürfnisse bei den Kunden. Das lässt sich der Konzern viel kosten. Alleine 2014 hat Amazon acht Milliarden US-Dollar nur für die Zustellung ausgegeben. Dem gegenüber stehen Einnahmen von nur vier Milliarden US-Dollar an Zustellgebühren. Amazon hat es sich nun zum Ziel gesetzt, das Verhältnis von Logistikkosten und Zustelleinnahmen zu verbessern.

Bisher arbeitet der Konzern in jedem Land mit unterschiedlichen Paketdiensten zusammen. In Deutschland sind das vor allem DHL, DPD, Hermes und Co. Jetzt ist man davon überzeugt, mit Kurierdiensten die Auslieferung günstiger gestalten zu können. Zudem ist die Zahl der Bestellungen mittlerweile so groß geworden, dass zumindest in Spitzenzeiten gar nicht mehr alle Lieferungen durch die Paketzusteller erfolgen können. Insbesondere im Weihnachtsgeschäft wird dies deutlich, wenn sogar die Mitarbeiterzahlen in den Logistikzentren in Deutschland verdoppelt werden.

Verlierer des aktuellen Umschwungs sind also vor allem klassische Paketzusteller. Dagegen können Kuriere und Lieferdienste von den Entwicklungen bei Amazon nur profitieren. Dabei ist der Markt für Sendungen an Privatkunden stark wachsend. Alleine von 2015 bis 2025 wird sich dieser Markt verdoppeln, schätzt der Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste in Berlin.

Quelle: Die Welt