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9. November 1989: Ein schicksalhafter Tag für Deutschland

Brandenburger Tor

Der 9. November 1989 ging als Datum des Falls der Berliner Mauer in die Geschichte ein. An diesem Tag war es erstmals möglich, den „Eisernen Vorhang“ ohne Angst um das eigene Leben auch ohne lange vorher beantragtes und häufig verweigertes Visum zu passieren.

Der 9. November 1989 ist ein Meilenstein der Geschichte Deutschlands, denn er läutete die friedliche Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten ein. Auch mehr als 30 Jahre später ist der Tag des Falls der Berliner Mauer für viele Deutsche ein Grund zum Feiern. Allerdings werden die Feiern im Jahr 2020 von den Auswirkungen der Coronakrise überschattet.

Viele Menschen wissen noch genau, wo sie damals waren

Die Ereignisse an jenem Donnerstag haben sich so ins Gedächtnis vieler Menschen eingebrannt, dass sie auch heute noch genau sagen können, was sie zur Zeit der entscheidenden Pressekonferenz gemacht haben. Wer kurz vor 19 Uhr nicht vor dem Fernseher saß, wunderte sich über eine merkwürdige Unruhe, die kurz danach in großen Wohnhäusern und auf den Straßen ausbrach. Binnen einer Stunde gab es riesige Lücken in den Straßen, in denen die Bewohner sonst mühsam nach einem Parkplatz suchen mussten. Auf den ersten Blick wirkte die Szenerie, als wäre eine Massenpanik ausgebrochen. Wer nachfragte, erhielt den Zuruf: „Die Grenze ist offen.“

Am Freitag stellten viele Unternehmen, Behörden, Schulen und Einrichtungen massenhaft unentschuldigt fehlende Mitarbeiter/innen fest. Zu Beginn ging die Befürchtung um, dass ein Großteil der Fehlenden nie wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren würde. Doch diese Angst erwies sich nur in Teilen als begründet. Nachdem klar war, dass die Grenzen dauerhaft offenbleiben würden, kamen die meisten Menschen zurück. Der Verlust des Jahres 1989 in den fünf östlichen Bundesländern belief sich am Ende auf knapp 389.000 Einwohner. Darin sind auch die Verluste enthalten, welche durch die Ausreisen über Ungarn und Prag schon vor dem Fall der Berliner Mauer angefallen waren.

Was war passiert an jenem 9. November 1989?

Lange hielt sich die Annahme, dass die Grenzöffnung auf einer reinen Panne beruhte. Inzwischen zeigt sich ein anderes Bild. Die ehemalige DDR-Regierung hatte bereits an einem Plan zur stückweisen Öffnung der Grenze durch Erweiterungen nachgedacht und arbeitete an einem neuen Reisegesetz, das jedermann Reisen und auch Übersiedelungen in die Westhälfte Deutschlands ermöglichen sollte. Die Veröffentlichung des neuen Gesetzes war für den 10. November 1989 geplant. Durch die offensichtliche Verwirrung von Günter Schabowski während der Pressekonferenz sorgte dafür, dass die Informationen vor Ablauf der Sperrfrist an die Öffentlichkeit gelangten.

Diese Nachricht kam für die meisten DDR-Bürger so überraschend, dass sie den Hinweis auf die trotzdem noch geltende Visumspflicht völlig überhörten. Sie machten sich auf den Weg zu den Grenzübergängen in Berlin, wo die Soldaten vom Ansturm völlig überrollt wurden. Die diensthabenden Offiziere hatten Angst, dass die Menschenmassen Gewalt anwenden und sich der Waffen der Grenzschützer bemächtigen könnten. Um das zu verhindern, ließ Harald Jäger (damals Oberstleutnant bei der PKE des Ministeriums für Staatssicherheit) den Grenzübergang seines Zuständigkeitsbereichs ohne die Genehmigung seiner Vorgesetzten öffnen.