Warum der Ätna auf Sizilien ins Meer abrutscht

Der Ätna auf Sizilien gehört zu den höchsten Vulkanen Europas. Doch schon seit einiger Zeit rutscht er immer weiter ins Meer ab. Jetzt haben sich Forscher mit dem rätselhaften Phänomen beschäftigt.

Jedes Jahr rutscht vor allem die Ostflanke des Vulkans mehrere Zentimeter ins Meer ab. Wie die Forscher angeben, könnte dies katastrophale Folgen mit sich bringen. So könnten die Flanken plötzlich kollabieren und dadurch könnten große Mengen des Materials ins Meer gelangen. Dies wiederum würde möglicherweise zu einem Tsunami führen, so die Wissenschaftler in ihren Ausführungen, die sie im Fachblatt „Science Advances“ veröffentlicht haben.

Der Ätna ist mit seinen 3.300 Meter einer der höchsten Vulkane in ganz Europaund liegt an Siziliens Ostküste. Insgesamt vier Haupt- und mehrere hundert Nebenkrater weist der Vulkan auf. Aus allen diesen Kratern tritt bei einem Vulkanausbruch Magma aus. Dabei ist der Ätna einer der Vulkane Europas, die ständig aktiv sind, so dass es immer wieder zu kleineren und größeren Ausbrüchen kommt. Diese beeinträchtigen dann auch den Flugverkehr auf der Insel, auf der kürzlich die Boxlegende Graciano „Rocky“ Rocchigiani ums Leben kam.

Abrutschen des Ätnas schon länger bekannt

Dass die südöstliche Flanke in Bewegung ist, ist schon länger bekannt. Wie Morelia Urlaub, die federführende Wissenschaftlerin vom Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel erklärte, ist der Vulkan insgesamt „sehr hoch und schwer. Das hat zur Folge, dass sich der Vulkan quasi ständig in alle Richtungen ausbreiten möchte. Am ehesten kann er das in Richtung Meer“.

Bisher unklar war allerdings, wo der Grund für das Abrutschen liegt. Grund dafür: Bisher wurden die Bewegungen des Ätnas nur an Land gemessen. Unberücksichtigt blieb der Teil des Vulkans, der sich bereits unter Wasser befindet. Schließlich sind die üblichen Satelliten-basierten Messungen unter Wasser nicht möglich.

Jetzt haben die Forscher aber genau diese Messungen vorgenommen, indem sie fünf Transponder, die mit Drucksensoren ausgestattet sind, an der instabilen Flanke in 1.200 Meter Wassertiefe angebracht haben. Die Transponder wurden jeweils ober- und unterhalb einer Verwerfungszone angebracht, die von Ost nach West verlief. Sie trennt den instabilen Teil des Vulkans von stabileren Bereichen.

Mit den Transpondern wird gemessen, wie lange etwa ein akustisches Signal zwischen den beiden Teilen hin- und her wandert. Sie zeichnen dafür den Druck der Wassersäule aus. Dieser ändert sich mit der Tiefe. Aus diesen Messdaten können Forscher Rückschlüsse auf die Bewegung der Flanke in die horizontale und vertikale Richtung ziehen.

Vier Zentimeter Seitwärtsbewegung

Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler die Daten von ausgewertet. Die meiste Zeit waren die Messdaten unauffällig. Aber im folgten deutliche Veränderungen über einen Zeitraum von acht Tagen. Während dieser Zeit beobachteten die Forscher eine Seitwärtsbewegung von vier Zentimetern in östliche Richtung und eine Abwärtsbewegung von einem Zentimeter.

Zunächst könnte man annehmen, dass die Bewegungen mit einem Ausbruch einhergehen und durch das fließende Magma ausgelöst werden. Doch dies haben die Forscher verneint. Im betreffenden Zeitraum habe man keine Zunahme der Magma-Aktivität beobachten können.

Daher gehen die Forscher davon aus, dass die Flanke des Ätnas durch die Schwerkraft in Bewegung versetzt wird. Man müsse allerdings noch weiter erforschen, ob das Absinken des Kontinentalrandes Zug auf den Vulkan ausübt oder dieser einfach aufgrund seiner Größe und Schwere abrutscht.

Im schlimmsten Fall könnte die Schwerkraft die gesamte Flanke betreffen, von ganz oben bis zum Fuß des Vulkans. Dadurch könnte mit einem Schlag sehr viel Material ins Meer gelangen und dort zu einer Flutwelle führen.

Quelle: dpa