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Staudammpannen und Talsperrenunglücke der Neuzeit

Immer wieder haben Brüche von Staumauern und Staudämmen zu Katastrophen geführt. Die Gefahr ist allgegenwärtig, aber diese Bauwerke sind notwendig, um die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung zu sichern. Außerdem sind in vielen Staumauern Wasserkraftwerke integriert. Die Notwendigkeit der Nutzung dieser Energiequelle besteht in Mitteleuropa hauptsächlich in der Schweiz und in Österreich. Es geht also beim Bau solcher Stauwerke, den Nutzen und das daraus resultierende Risiko ganz genau abzuschätzen.

Kaskadenbruch am Banqiao-Staudamm im Jahr 1975

Nachdem ein Taifun im August 1975 die chinesische Region Henan getroffen hatte, kam es am Banqiao-Staudamm und den dahinter liegenden Stauwerken zu einem sogenannten Kaskadenbruch, in dessen Folge je nach Quelle zwischen 26.000 und 85.000 Menschen ertranken und bis zu 230.000 Menschen durch die darauffolgenden Epidemien und Hungersnöte ums Leben kamen. Der Bruch von insgesamt 62 Staudämmen stellte eine Kettenreaktion dar, die vom Shimantam-Staudamm ausging, der sich oberhalb des Banqiao-Staudamms befindet. Ein kontrollierter Abfluss der mehrere Meter hohen Flutwelle war nicht möglich, da sich die Schleusentore aufgrund von Sedimentanlagerungen nicht öffnen ließen.

1979: Der Bruch der Machhu-II-Talsperre in Indien

Im Jahr 1979 trafen im indischen Bundesstaat Gujarat zwei negative Faktoren aufeinander. Die Staureserve der Machhu-II-Talsperre war zu gering bemessen und binnen eines Tages fielen in der Region mehr als 500 Liter Regen pro Quadratmeter. Die Kapazität des Hochwasserüberlaufs der Machhu-II-Talsperre wurde durch die Zuflüsse bei Weitem überschritten, sodass die rund 3.900 Meter lange Dammkrone überspült wurde. An beiden Enden wurde sie von den Fluten weggespült. Die davon ausgelöste Flutwelle forderte mehr als 2.000 Todesopfer. Das und ein weiteres Hochwasser im Jahr 1983 führten dazu, dass die Staureserve der Machhu-II-Talsperre später verdoppelt wurde.

1963: Flutwelle am Vajont-Stauwerk in Italien

Das „disastro del Vajont“ im Jahr 1963 wurde durch die Baumeister selbst ausgelöst. Nachdem die oberhalb von Longarone gelegene Staumauer fertiggestellt war und die Stauung begann, wurden umgebende Berghänge instabil. Einer der Berghänge rutschte auf einer Länge von zwei Kilometern ab, wodurch etwa 270 Millionen Kubikmeter Geröll und Erdreich in den Stausee gelangten. Dadurch entstand eine mehrere Meter hohe Flutwelle, die rund 2.000 Todesopfer forderte und das Städtchen Longarone komplett zerstörte. Die am Bau der Vajont-Staumauer Beteiligten wurden später von den italienischen Gerichten wegen fahrlässiger Tötung der Opfer zur Rechenschaft gezogen. Der Bauingenieur, welcher das Projekt konzipiert hatte, beging noch vor Prozessbeginn Suizid.

Möhnetalsperre in Deutschland: Der Krieg war schuld

Im Jahr 1943 ging eine bis zu zwölf Meter hohe Flutwelle von einem Bruch des Stauwerks an der Möhnetalsperre im Kreis Soest in Nordrhein-Westfalen aus. Sie forderte etwa 1.600 Todesopfer. Der Bruch der Staumauer war jedoch weder Fehlkonstruktionen noch Unwettern geschuldet, sondern wurde vom Menschen vorsätzlich herbeigeführt. Schuld waren die Rollbomben der Briten, welche in der Staumauer ein Loch von 77 mal 22 Metern rissen. Die meisten Opfer waren im Zwangsarbeiterlager in Möhenwiesen zu beklagen. Die Staumauer wurde wiederaufgebaut und konnte bereits fünf Monate nach dem Bombenangriff wieder in Betrieb gehen.

Quellen: hrw.org, vajont.net, WDR, ruhrverband.de