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So viel Kindergeld geht ins Ausland

Dass Kindergeld aus Deutschland ins Ausland gezahlt wird, ist nicht neu. Die Höhe jedoch ist im vergangenen Jahr deutlich, nämlich um 17 Prozent, angestiegen. Grund dafür: EU-Bürger haben das Recht in jedem Land der EU zu arbeiten.

2018 wurden demnach 402 Millionen Euro Kindergeld von Deutschland aus ins Ausland überwiesen. Das hat jetzt die Statistik der Familienkasse aufgedeckt.

Polen erhält besonders viel Kindergeld

Insgesamt waren 252.000 Kinder betroffen, den größten Teil mit 123.855 bildeten Kinder aus Polen. Darüber hinaus flossen große Beträge aus Deutschland nach Rumänien, Frankreich und Tschechien. Zusätzlich zahlten die deutschen Behörden für 32.500 Kinder mit deutschem Pass, die im Ausland leben, Kindergeld.

Insgesamt zahlt der Bund für 15 Millionen Kinder das Kindergeld, die Gesamtkosten belaufen sich auf 30 Milliarden Euro pro Jahr. Das EU-Recht besagt, dass EU-Ausländer, die in Deutschland arbeiten, Anspruch auf Kindergeld haben, selbst wenn die Kinder im Ausland leben. Dieser Anspruch besteht während der gesamten Aufenthaltsdauer in Deutschland.

Viele Kindergeldkonten im Ausland

Generell können sich die Eltern, die im Ausland leben, entscheiden, ob das Kindergeld auf ein deutsches oder ein ausländisches Konto gezahlt wird. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte, empfangen viele Eltern das Kindergeld auf ein ausländisches Konto, während die Kinder trotzdem in Deutschland leben.

Insbesondere in den letzten fünf Jahren sind diese Überweisungen drastisch angestiegen. 2012 waren lediglich rund 75 Millionen Euro Kindergeld ins Ausland gegangen, wie die Bundesregierung mitteilte. Noch höhere Auslandszahlungen als 2018 gab es beim Kindergeld nur 2016.

Hauptursache für den dramatischen Anstieg dürfte die europäische Freizügigkeit sein. Zusätzlich brauchen wir in Deutschland immer mehr Fach- und sogar Pflegekräfte. Dadurch stieg alleine die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus Osteuropa von 2015 bis 2017 von 295.000 auf 1,2 Millionen. Der anstehende Brexit führt ebenfalls zu einer Verlagerung der Arbeitskräfte nach Deutschland.

Kann Kindergeld an ausländische Lebenshaltungskosten angepasst werden?

Im Juni hatte die CSU einen Antrag in den Bundesrat eingebracht, der vorsieht, dass das Kindergeld in seiner Höhe an die jeweiligen Lebenshaltungskosten in dem Land angepasst wird, in dem das Kind lebt. Allerdings hat der Finanzausschuss beschlossen, die Beratungen zu diesem Vorschlag auf unbestimmte Zeit zu vertagen.

Die AfD plant, einen neuen Gesetzentwurf bereits am Donnerstag einzubringen. Allerdings war ein erster Antrag der Partei bereits im Oktober letzten Jahres im Bundestag gescheitert. Die AfD beruft sich dabei auf die Regelung in Österreich. Bei unseren Nachbarn hat man zum 01.01.2019 die „Familienbeihilfe“ an die Lebenshaltungskosten vor Ort angepasst.

Die EU-Kommission sieht diese Regelung jedoch kritisch und hat sich dagegen ausgesprochen. Deshalb muss Österreich demnächst mit einem Vertragsverletzungsverfahren rechnen. Auch die Große Koalition hat wohl aus genau diesem Grund noch keinen eigenen Gesetzentwurf zum Thema vorgelegt. Allerdings bemüht sich die Regierung, eine Lösung auf europäischer Ebene zu finden.

Quelle: dpa