Mindestlohn steigt um 34 Cent

Im Januar 2015 wurde in Deutschland erstmals ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 Euro eingeführt. Zwei Jahre später, im Jahr 2017, wird dieser erstmals um 34 Cent erhöht auf jetzt 8,84 Euro. Stefan Körzell, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund freut sich über diese Tatsache, die vor allem Geringverdienern zugutekomme. Bei einer Vollzeitstelle hätten die Arbeitnehmer monatlich 55 Euro mehr in der Tasche. Zudem gehe jeder Cent mehr Mindestlohn einher mit einer Kaufkraftsteigerung von 50 Millionen Euro jährlich.

Minijobber müssen weniger arbeiten

Auch Minijobber profitieren vom erhöhten Mindestlohn. Bei ihnen wirkt er sich vor allem auf die Arbeitszeiten aus. Im Schnitt müssen sie jetzt nur noch 50,9 Stunden pro Monat arbeiten, um die Grenze von 450 Euro nicht zu überschreiten. Allerdings hat der Mindestlohn nicht nur Vorteile. Immer noch versuchen viele Arbeitgeber, ihn zu umgehen. Deshalb mahnte Körzell gleichzeitig an, dass man gerade auch in kleineren Betrieben mehr Kontrollen durchführen müsse.

Trotzdem rechnet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) insgesamt positiv mit dem Mindestlohn ab und beruft sich dabei auf Auswertungen des Statistischen Bundesamts. Vor allem auf die Entwicklung von Verdienst und Beschäftigtenzahlen wirke sich der Mindestlohn demnach positiv aus. Die Verdienstmöglichkeiten für Un- und Angelernte seien von der Einführung des Mindestlohns im Januar 2015 bis zum dritten Quartal 2016 bundesweit um vier Prozent angestiegen. In den alten Bundesländern lag das Plus bei 3,5, in den neuen Ländern sogar bei 9,6 Prozent. Frauen konnten bundesweit von einem Plus von 3,9 Prozent in der Lohntüte profitieren. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Voll- und Teilzeitbeschäftigten stieg den Angaben zufolge um 4,2 Prozent.

Kritik am Mindestlohn verstummt nicht

Mit der aktuellen Erhöhung des Mindestlohns wurde die erste Erhöhung seit seiner Einführung durchgeführt. Trotzdem also Arbeitnehmer profitieren sollen, gibt es auch weiterhin viele Kritiker. Vor allem aus den Reihen der Wirtschaftsunternehmen hagelt es harsche Kritik. Christoph Schröder, IW-Tarifexperte, hatte bereits Mitte Dezember der „Welt am Sonntag“ gegenüber geäußert, dass der Mindestlohn auch negative Effekte mit sich bringe. Neueinstellungen seien durch die hohen Kosten ausgefallen. Ohne Mindestlohn, so Schröder, hätten 60.000 zusätzliche Stellen geschaffen werden können.

Quelle: AFP