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Giftköder-Gefahr für Hunde steigt in Deutschland weiter an

Die Gefahr, die für Hunde von Giftködern ausgeht, steigt zunehmend an. Immer mehr Fälle von ausgelegten Ködern, die mit Gift oder scharfkantigen Gegenständen versetzt sind, werden bekannt. Experten warnen mittlerweile davor, Bilder der Giftköder in sozialen Netzwerken und auf anderen Plattformen zu posten. Dadurch würden nur noch mehr Menschen auf diese Möglichkeit gestoßen, um ihrem Ärger über rücksichtslose Hundehalter Luft zu machen. Besser sei es, gezielt vor Giftködern zu warnen, Bilder aber nur der Polizei zu übermitteln.

Generell sollte jeder Giftköderfund der Polizei gemeldet werden. Es handelt sich hierbei nämlich nicht um einen Kavaliersdelikt, sondern vielmehr um den Tatbestand der Tierquälerei laut Tierschutzgesetz. Außerdem besteht die Gefahr, dass auch Kinder und Wildtiere die Giftköder aufnehmen und möglicherweise daran sterben.

Wie sollten Hundehalter auf vermehrte Giftköder reagieren?

Zwar ist die Gefahr für Giftköder deutschlandweit gegeben, aber in einigen Regionen ist sie noch höher als anderswo. Dementsprechend setzen viele Hundehalter mittlerweile auf Maulkorb und Leine, um ihre vierbeinigen Lieblinge zu schützen. Das kann als Erstlösung auch durchaus geeignet sein. Langfristig lohnt es sich aber eher, genau aufzupassen und ein Anti-Giftköder-Training zu absolvieren.

Viele Hundeschulen haben die Thematik bereits erfasst und bieten solche Trainings gezielt an. Dabei wird dem Hund beigebracht, Fressbares anzuzeigen und Dinge wieder auszugeben. Allerdings ist ein Hund immer noch ein Lebewesen, das sich nicht vollständig beherrschen lässt. Demnach minimiert man zwar durch das gezielte Training die Gefahr, ganz ausschließen lässt sie sich aber nicht, zumal Gifte nicht immer mit Fressbarem verbunden sind.

Was ist wichtig beim Anti-Giftköder-Training?

Zu dieser Thematik hat der Berufsverband der Hundeerzieher/innern und Verhaltensberater/innen e.V. (BHV) jetzt Ariane Ullrich befragt. Die diplomierte Verhaltensbiologin, die auch im BHV-Ausbildungsrat Vorsitzende ist, erklärt, dass Hundehalter im Training mit ihrem Hund kooperieren sollten. Oberstes Ziel muss sein, dass der Hund Freude am Training hat. Nur dann kann man langfristig erfolgreich sein. Lernt der Hund im Training, dass es Ärger gibt, wenn er etwas aufnimmt, wird dies langfristig nur dazu führen, dass er es umso schneller herunterschluckt. Auch wird der Hund gezielt die Unaufmerksamkeit seines Menschen nutzen, um Dinge zu suchen und zu finden, die er eigentlich nicht aufnehmen sollte.

Die größten Fehler in einem solchen Training bestehen darin, dass der Mensch zu ungeduldig ist und die Trainingsschritte zu groß wählt. Deshalb sollte die Zielstellung vorab klar sein und die Einzelschritte zum Ziel hin in möglichst kleine Lerneinheiten verpackt werden. So sollen Hunde dem Halter einen Fund, etwa durch Anstupsen, anzeigen. Da es sich hierbei um eine sehr komplexe Aufgabe handelt, beansprucht das Training viel Zeit. Auch das Generalisieren, also die Wiederholung an möglichst vielen verschiedenen Orten, ist ein wichtiger Trainingsschritt. Gleiches gilt für die ausreichende Belohnung für das Anzeigen eines Fundes. Ist diese nicht mehr motivierend genug, kann der Hund sich doch noch für das Aufnehmen seines Fundes entscheiden. Außerdem muss der Hund alle Futtergerüche anzeigen. Lernt er nur, dass er Wurststücke anzeigen soll, wird er das Brötchen im Gebüsch trotzdem fressen.

Was tun, wenn der Hund etwas aufgenommen hat?

Hat der Hund dennoch etwas Fressbares unterwegs aufgenommen und besteht der Verdacht, dass es sich um einen Giftköder handelte, sollte sofort der Tierarzt angerufen werden. Der Köder, sofern noch etwas vorhanden ist, sollte eingepackt und in die Praxis mitgenommen werden, damit man die Art des Gifts bestimmen und entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten kann. Gleiches gilt für Erbrochenes, falls der Hund sich bereits erbrochen hat. Wer hat, sollte dem Hund auch direkt Aktivkohle geben. Ein Gramm pro Kilogramm Körpergewicht ist die Faustregel für die Dosierung. Sollte der Hund schon bewusstlos sein, muss er in die stabile Seitenlage gebracht und so transportiert werden. Die Atemwege müssen in jedem Fall frei bleiben.

Wer sich weiter informieren will, findet mittlerweile auch Erste-Hilfe-Kurse, die von vielen Tierärzten und Hundeschulen angeboten werden. Der BHV stellt zudem auf seiner Homepage zahlreiche Hundeschulen vor, die ein Anti-Giftköder-Training anbieten.

Quelle: BHV