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Gendergerechte Schreibweise: Kultusministerium Sachsen will Sonderweg

Male school teacher standing in an elementary school classroom with a group of school children

Das Kultusministerium Sachsen ordnete für die Schulen im Freistaat eine besondere Schreibweise für die gendergerechte Schreibweise an.

In jüngster Zeit rückte die Geschlechterneutralität in der Sprache in den Mittelpunkt. Außerdem sollen alle Begriffe verschwinden, die in irgendeiner Weise als Diskriminierung interpretiert werden könnten. Das Sächsische Kultusministerium wies kurz vor Schuljahresbeginn die Schulen in einem Schreiben an, in schriftlichen Arbeiten dafür keine Sonderzeichen mehr zu verwenden. Sie würden den „aktuellen Festlegungen des Amtlichen Regelwerks“ nicht entsprechen.

Welche Auswege haben die Schulen bei der gendergerechten Schreibweise?

Ein Blick in den Duden offenbart, dass es durchaus korrekte und zugleich gendergerechte Schreibweisen mit Sonderzeichen gibt. Bleiben wir beim Beispiel der Lehrkräfte. Die Duden-Onlineprüfung zeigt sowohl bei der Variante „Lehrer/innen“ als auch bei der Schreibweise „Lehrer/-innen“ keine Beanstandungen an. Bei der Variante mit Schrägstrich und Bindestrich handelt es sich um eine Schreibweise, die als Verkürzung und Ersatz von Wortteilen auch an vielen Stellen der deutschen Sprache zum Einsatz kommt. Anders ist die Lage bei Schreibweisen wie „Lehrer*Innen“ oder neuerdings „Lehrer:Innen“. Sie entsprechen den Regeln im Duden und auch den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung nicht. Das heißt, es wäre sinnvoll, sich auf die bereits etablierte und vom Duden als korrekt erkannte Schreibweise mit Schrägstrich zu einigen.

Ansprüche an gendergerechte Schreibweise ziehen einige Probleme nach sich

Wer sich an die Anweisungen des Sächsischen Kultusministeriums hält, wird schnell einen zusätzlichen Zeitbedarf bemerken. Bleiben wir beim Beispiel Schule. Möchte man das gesamte Führungs-, Lehr- und Hortpersonal mit den einzelnen Bezeichnungen benennen, würde die Textpassage beim Verbot der Nutzung von Sonderzeichen auf „die Direktorinnen und Direktoren, die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Hortbetreuerinnen und Hortbetreuer“ hinauslaufen. Damit ist ein vergrößerter Platzbedarf in Anschreiben, Zeitungsartikeln und Büchern verbunden. Zu den Konsequenzen gehören erhöhte Verbrauchswerte bei Papier, Druckertinte und Toner. Das wirkt sich negativ auf die Kosten aus und verursacht zudem vermeidbare Belastungen für die Umwelt und das Klima.

An welchen Stellen ist keine gendergerechte Sprache möglich?

Solche Fälle gibt es durchaus, denn in die deutsche Umgangssprache wurden zahlreiche englische Begriffe integriert, für die es gar keine weiblichen Formen gibt. Ein Beispiel ist die Bezeichnung „Trainee“ für junge Menschen mit Hochschulabschluss, die für die Besetzung von Führungspositionen aufgebaut werden sollen. Aber auch bei einigen deutschen Begriffen gibt es keine weibliche Form. „Der Mensch“ ist von Artikel her männlich, umfasst aber Frauen, Männer und Transgender. „Die Person“ ist dagegen weiblich, wird aber ebenfalls für alle Geschlechter verwendet. Beim Anspruch an eine vollständig gendergerechte Sprache müssten also Bezeichnungen wie „Personin“ und „Menschin“ in den Duden eingefügt werden.

Quelle: Kultusministerium Sachsen, Duden