DSGVO kickt zahlreiche Inhalte aus dem Netz

Derzeit wundern sich viele Europäer, dass sie Dienste und Inhalte aus den USA nicht mehr erreichen können. Teilweise werden auf den betreffenden Websites „technische Probleme“ als Ursache angegeben. Schuld ist allerdings die Tatsache, dass dort die Bestimmungen der neuen DSGVO nicht rechtzeitig umgesetzt werden konnten.

Die neue Datenschutzgrundverordnung, kurz DSGVO, trat am 25. Mai 2018 in Kraft, Seither müssen alle Betreiber von Websites und Online-Diensten die explizite Zustimmung einholen, wenn sie personenbezogene Nutzerdaten speichern wollen. Diese Verpflichtung gilt auch für Anbieter mit Sitz außerhalb der Europäischen Union für die Nutzer, die aus der EU kommen. Die Folge ist, dass seit Freitag unzählige Fehlermeldungen auftauchen.

Viele Anbieter sperrten europäische Nutzer komplett aus

Wer momentan die Online-Inhalte der Chicago Tribune aufrufen will, wird auf eine Seite mit einem kurzen Hinweis weitergeleitet. Er gibt an, dass die jeweilige Website „leider derzeit in den meisten europäischen Ländern nicht erreichbar“ ist. Man bemühe sich um die Wiederherstellung aller digitalen Angebote, indem intensiv nach einer technischen Lösung gesucht wird. Das suggeriert auf den ersten Blick eine Sperrung oder die Folgen eines Hackerangriffs. Tatsächlich haben die Anbieter aber Angst, dass sie wegen der Nichteinhaltung der Vorgaben der neuen DSGVO hohe Bußgelder fangen könnten. Diese können (abhängig vom Jahresumsatz der abgestraften Unternehmen) mehrere Millionen Euro ausmachen. Deshalb hat sich auch die Redaktion der LA Times dazu entschlossen, ihre Online-Ausgabe vorsorglich vollständig für den Zugang von europäischen Ländern aus zu sperren. Andere Redaktionen waren schneller, sodass ihre Inhalte nach wie vor in vollem Umfang auch von Europa aus erreichbar sind. Dazu gehört beispielsweise die NY Times.

Welche Bedeutung haben beide Zeitungen?

Die Chicago Tribune ist eine überregionale Tageszeitung, die im Jahr 1847 erstmals herausgebracht wurde. Die Chicago Tribune erscheint wochentags in einer gedruckten Auflage von rund 450.000 Stück. Samstags werden durchschnittlich rund 850.000 Exemplare verkauft. Sie bietet hochwertigen Journalismus, der in der Vergangenheit bereits mit zwei Dutzend Pulitzer-Preisen gewürdigt wurde. Eine genauso große Bedeutung hat die LA Times für den Südwesten der USA. Sie erscheint seit Dezember 1881. Von Montag bis Samstag gehen durchschnittlich rund 630.000 gedruckte Exemplare über die Ladentische. Sonntags umfasst die Auflage sogar 945.000 Stück. Seit Januar 2018 gehört die LA Times dem in Südafrika geborenen Multimilliardär Patrick Soob-Shiong, der zeitgleich auch die Union Tribune kaufte, die San Diego erscheint. Auch die Redaktion der LA Times wurde bereits mit zahlreichen Pulitzer-Preisen geehrt.

Quelle: Chicago Tribune, LA Times