Aufklärung zum Thema Depression in Deutschland mangelhaft

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die gerade eben von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Deutsche Bahn Stiftung veröffentlicht wurde. Für die Studie wurden 2.000 Personen direkt befragt. Außerdem flossen in die Studie die Resultate einer Online-Umfrage ein, bei welcher ausschließlich Menschen befragt wurden, die selbst an einer Depression leiden. Dabei stellte sich heraus, dass es bei der Aufklärung rund um diese Erkrankung in Deutschland erheblichen Handlungsbedarf gibt.

Vor allem bei den Ursachen bestehen große Wissenslücken

Rund ein Drittel der Befragten weiß beispielsweise nicht, dass eine Depression durch Störungen des Hormon- und Botenstoffwechsels auch organisch bedingt sein kann. Mit 96 Prozent ist die überwiegende Mehrheit der Probanden der Überzeugung, dass vor allem gravierende Lebensereignisse eine Depression auslösen. 94 Prozent sind der Überzeugung, dass Depressionen auch durch belastende Verhältnisse im Job entstehen können. Erschreckend ist der Fakt, dass mehr als ein Drittel der Probanden annimmt, eine Depression wäre eine reine Charakterschwäche. Über die Hälfte der Befragten gab an, die Symptome wären lediglich die Folge einer falschen Lebensführung. Jeder fünfte Befragte war der Meinung, die Betroffenen müssten sich lediglich „zusammenreißen“ oder mehr Schokolade essen. Allein schon an diesen Zahlen wird deutlich, dass vielen Deutschen nicht bewusst ist, dass es sich um eine im Hirnstoffwechsel nachweisbare Erkrankung handelt, die einer medizinischen Behandlung bedarf.

Behandlung von Depressionen ist ebenfalls lückenhaft

In der gemeinsamen Pressemitteilung verweisen beide Stiftungen parallel darauf, dass in Deutschland viele Patienten nicht angemessen behandelt werden. Sie führen dies in der Hauptsache auf die Engpässe bei der Verfügbarkeit von Terminen bei Fachärzten und Psychotherapeuten zurück. Hier zeigen andere Statistiken, dass in einigen Regionen für eine ambulante Psychotherapie Wartezeiten von einem Jahr und mehr die Regel sind. Deshalb wird nur ein Bruchteil der Betroffenen angemessen behandelt. Eine der Folgen ist eine hohe Suizidrate. Selbsthilfegruppen sind zwar eine gute Ergänzung der medizinischen Therapie, können aber die dort bestehenden Versorgungslücken nicht schließen, weil dort keine medikamentöse Behandlung gestartet werden kann, wie sie bei vielen Betroffenen unverzichtbar ist.

Quelle: deutsche-depressionshilfe.de