Zwei Jahrhunderte Tradition der Schultüte

Noch hat das neue Schuljahr nicht in allen deutschen Bundesländern begonnen. Deshalb ist es eine gute Gelegenheit, einen Blick auf die Tradition der Schultüte zu werfen, welche die ABC-Schützen am ersten Schultag bekommen.

In Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen steht die Übergabe der Schultüte noch bevor, die im Volksmund aufgrund ihres Inhalts auch Zuckertüte genannt wird. Diese Tradition gab es lange nur in Deutschland. Inzwischen haben sie viele Eltern in Österreich übernommen.

Wo tauchte die Schultüte erstmals auf?

Die ersten historischen Belege für die Übergabe einer Zuckertüte stammen aus dem Jahr 1817. Das ergibt sich aus den Exponaten, die im Jahr 2010 im Rahmen einer Sonderausstellung zum Thema Schulanfang im Städtischen Museum in Jena gezeigt wurde. Weitere gesicherte Hinweise gibt es aus Dresden und Leipzig. Sie stammen aus den Jahren 1820 und 1836. Einige Historiker vertreten die Hypothese, dass die Zuckertüte auf eine jüdische Tradition zurückgeht. Danach bekommen die Kinder zum Schulanfang Gebäck in Buchstabenform, welches sich am Psalm 119 im Alten Testament orientiert. Jüdische Rabbiner halten diese Theorie allerdings für unwahrscheinlich.

Historisch haben sich zwei verschiedene Varianten der Schultüte etabliert. Nach der Teilung Deutschlands als Folge des II. Weltkriegs setzten sich in der Westhälfte runde Zuckertüten mit einer Länge von 70 Zentimetern durch. Die Produktgestalter der ehemaligen DDR-Betriebe wollten sich davon unterscheiden. Sie entwickelten eine achteckige Zuckertüte mit einer Länge von 85 Zentimetern als Standard. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Mini-Schultüten, die üblicherweise an die kleineren Geschwister der Schulanfänger oder als Geschenk von den Partygästen überreicht werden.

Wie hat sich der Inhalt der Schultüte entwickelt?

Der alternative Name Zuckertüte resultiert aus der Tatsache, dass die Schultüte anfänglich ausschließlich mit Obst und Naschereien gefüllt wurde. Das hat sich inzwischen geändert. Mittlerweile werden die Schultüten auch mit kleinen Schulutensilien gefüllt. Die Palette reicht von Buntstiften über höherwertige Füllhalter bis hin zu kompletten Federmäppchen. Die meisten in Deutschland verkauften Schultüten kommen aus Ehrenfriedersdorf im Erzgebirge. Das dortige Werk der Nestler Feinkartonagen GmbH verlassen alljährlich rund zwei Millionen Zuckertüten.

Quelle: Stadtmuseum Jena, Nestler GmbH