Wie wirkt sich der Zollstreit USA – EU auf Verbraucherpreise aus?

Donald Trump hat die angekündigten Importzölle auf Stahl voll durchgesetzt. Sie sind seit dem 1. Juni 2018 auch für die Länder der Europäischen Union gültig. Derzeit holt die EU zum Gegenschlag aus. Die Konsequenzen des Zollstreits werden auch die Verbraucher zu spüren bekommen.

Ganz neu ist die Problematik der US-Importzölle für die Europäische Union nicht. George W. Bush hatte mit der Begründung des Schutzes der amerikanischen Wirtschaft bereits 2002 und 2003 eine ähnliche Taktik wie aktuell Donald Trump angewendet. Schon damals kündigte die EU ebenfalls die Erhebung von Importzöllen auf amerikanische Produkte an. Deshalb vollzog George W. Bush sehr schnell eine Kehrtwende.

Was passiert, wenn auch die EU Importzölle erhebt?

Inzwischen liegt eine Auflistung von US-Produkten vor, welche die EU mit einem Importzoll belegen könnte und belegen will. Die daraus resultierenden Mehraufwendungen der Importeure würden ein jährliches Volumen von rund 2,8 Milliarden Euro ausmachen. Allein die Importeure von US-Stahl und Aluminium müssten pro Jahr 850 Millionen Euro aufbringen. Auf landwirtschaftliche Produkte entfallen aus den geplanten EU-Strafzöllen 350 Millionen Euro. Der Textilhandel würde mit bis zu 88 Millionen Euro pro Jahr belastet. Allerdings will die Europäische Union keinen einheitlichen Zollsatz auf alle in der Auflistung enthaltenen Produkte erheben. Rohwaren, die innerhalb der EU weiterverarbeitet werden, sollen mit einem niedrigeren Zollsatz als Luxusgüter wie amerikanische Autos und Motorräder belegt werden.

Verbraucher gehören auf jeden Fall zu den Leidtragenden

Natürlich können die Importeure und die weiterverarbeitenden Unternehmen die durch die Zölle entstehenden Zusatzkosten nicht allein tragen. Sie werden einen großen Teil der zusätzlichen Importkosten auf die Abgabepreise umlegen. Das heißt, die Verbraucher müssen in Deutschland und der gesamten Europäischen Union bei vielen Produkten mit erheblichen Preissteigerungen rechnen. Die Marktanalysten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung gehen davon aus, dass sich die Importzölle auch auf die Sortimente auswirken werden. Die Kunden könnten in Zukunft weniger Auswahl haben. Das gab der DIW-Analyst Thore Schlaack in einem Interview mit der „Tagesschau“-Redaktion der ARD an.

Für die Europäische Zentralbank dürfte das sogar eine gute Nachricht sein. Noch hält sich die EZB mit einer Anhebung der Leitzinsen zurück. Ein Grund ist, dass die Vorgabe von zwei Prozent bei der Inflationsrate nicht flächendeckend erreicht wird. Mit den Importzöllen von Donald Trump und der Antwort der Europäischen Union dürfte dieses Problem gelöst werden. Das heißt, auch die Kosten für Kredite könnten sich in Deutschland und der gesamten EU schon bald erhöhen, wenn sich der Handelsstreit zwischen der EU und den USA weiter zuspitzt.

Quelle: ARD