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Wie sicher ist die Gasversorgung im nächsten Herbst und Winter in Deutschland?

Female engineer in safety gear using a walkie-talkie near large spherical gas storage tanks at an industrial site.

Die Sicherheit der Gasversorgung in Deutschland macht derzeit vielen Menschen Sorgen. Doch so schlimm, wie es auf den ersten Blick aussieht, sind die Prognosen nicht.

Wer die Sicherheit der Gasversorgung in Deutschland im Herbst 2026 und Winter 2026/2027 beurteilen möchte, darf nicht allein die aktuell gemeldeten Speicherfüllstände als Grundlage verwenden. In die Bewertung sollten alle relevanten Faktoren einfließen. Dazu gehören beispielsweise die Importmöglichkeiten, die Kapazitäten der LNG-Terminals, die Entwicklung der Wirtschaft und nicht zuletzt die Saisonprognosen der verschiedenen Wettermodelle. Alles zusammen zeigt, dass die Aussichten nicht so schlecht sind, wie es die Speicherfüllstände allein vermuten lassen.

Wie tragen die aktuellen Speicherfüllstände zur Versorgungssicherheit bei Gas bei?

Die Bundesnetzagentur meldete für den 19. August 2026 einen Füllstand der Gasspeicher in Deutschland von durchschnittlich 50,19 Prozent. Natürlich lässt ein Vergleich mit den Füllständen im Spätsommer letzten Jahres aufhorchen, denn sie lagen am 19. August 2025 bei einem Durchschnitt von 67,41 Prozent. Der bisher niedrigste Stand aus der Zeit zwischen 2018 und 2021 lag nach der gleichen Datenquelle bei 55,36 Prozent und der höchste Füllstand bei 93,49 Prozent.
Noch drastischer fällt der Vergleich mit den gesetzlichen Vorgaben zu den Füllständen aus. Sie müssten zum 1. November eines jeden Jahres bei einem Durchschnitt von 80 Prozent liegen. Ausnahmen gelten lediglich für die Gasspeicher in Wolfersberg, Inzenham-West, Breitbrunn und Bierwang. Sie müssten zeitgleich einen Füllstand von jeweils 45 Prozent aufweisen.

Welche Faktoren wirken sich auf die Versorgungssicherheit bei Gas aus?

Seit Jahresbeginn 2026 liegen die Gaspreise deutlich über dem Niveau von 2025. Deshalb haben sich die Betreiber der Gasspeicher bei ihren Einkäufen zurückgehalten und auf fallende Preise gehofft. Nun müssen sie trotz der höheren Preise einkaufen, um die gesetzlichen Vorgaben zu den Füllständen zu erreichen. Das wird jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem weiteren Preisanstieg führen.
Ein stabilisierender Faktor ist die Entwicklung bei den LNG-Kapazitäten. Der Ausfall von Katar als Lieferant von LNG-Gas konnte im globalen Maßstab kompensiert werden. Dabei ist Deutschland nicht nur auf die Kapazitäten an den eigenen Küsten angewiesen, sondern kann als LNG-Gas angelandetes Gas auch beispielsweise aus Belgien und Frankreich beziehen. Zudem besteht die Möglichkeit, per Pipeline Gas aus anderen Ländern der EU ins deutsche Netz einzuspeisen.

Welche Rolle spielen Wirtschaft und Wetter bei der Versorgungssicherheit?

Ein großer Boom steht der deutschen Wirtschaft nicht bevor. Stattdessen werden Produktionskapazitäten von vielen Unternehmen heruntergefahren oder sogar ganze Werke geschlossen. Dadurch sinkt der Gasbedarf bei gewerblichen Kundinnen und Kunden. Viele Unternehmen haben zudem die Möglichkeiten zur Arbeit im Homeoffice zurückgefahren, was sich beim Gasverbrauch privater Haushalte bemerkbar macht.
Sogar die Folgen des Klimawandels kommen der Sicherheit der Gasversorgung in Deutschland entgegen. Das EFFIS-Modell des europäischen Copernicus-Projekts prognostiziert einen überdurchschnittlich warmen Herbst. Im September 2026 sollen die Tageshöchsttemperaturen zwischen 0,5 und 1,0 Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt liegen. Für Oktober 2026 wird ein Temperaturüberschuss von großflächig 1,0 Grad Celsius in Deutschland berechnet. Auch der November und Dezember 2026 sollen nach den Saisonprognosen des EFFIS-Modells zu warm ausfallen. Das gilt nach den aktuellen Langzeitmodellen genauso für Januar und Februar 2027. Der Gasverbrauch sinkt auch bei solch vermeintlich kleinen Abweichungen.

Quelle: Bundesnetzagentur, Copernicus-Projekt

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