Tuberkulose gewinnt in Deutschland an Bedeutung

Die Tuberkulose galt lange Zeit nur als „Arme-Leute-Krankheit“, doch mittlerweile breitet sie sich auch in Deutschland immer weiter aus. So zählte das Robert-Koch-Institut (RKI) alleine 2016 5.915 Fälle von Tuberkulose. Ein Jahr zuvor waren es noch 5.852 Fälle und 2012 erreichte man einen Tiefststand von 4.112 Fällen. Insgesamt 105 Menschen erlagen 2015 der TBC-Infektion, darunter auch ein Kleinkind.

TBC – Warum die Diagnose teils schwierig ist

RKI-Infektionsforscherin Lena Fiebig erklärt, dass die höheren Tuberkulose-Zahlen auch mit der Zuwanderung zusammenhängen. Dabei wird das Bakterium von anderen Regionen eingeschleppt, denn es kommt weltweit vor, allerdings in sehr ungleicher Verteilung. Daher haben noch längst nicht alle Ärzte schon einen TBC-Fall gesehen oder sehen diesen gar regelmäßig.

Bei anhaltendem Husten, Nachtschweiß und Gewichtsreduktion denken viele Ärzte dann eben nicht sofort an TBC und veranlassen eine Röntgenaufnahme, in der die typischen Veränderungen im oberen Bereich der Lunge gut zu erkennen sind.

Zudem kann TBC nicht nur die Lunge, sondern auch andere Organe befallen. Und dann gestaltet sich die Diagnose oft noch schwieriger. Zudem sind Ärzte verpflichtet, einen Patienten sofort unter Quarantäne zu stellen, wenn eine ansteckende Form von Tuberkulose diagnostiziert wird. Generell erfolgt die Übertragung des Erregers mittels Tröpfcheninfektion über die Atemluft. Zwar gilt TBC als ansteckend, aber nicht als hochansteckend. Kommen gesunde Menschen mit dem Erreger in Kontakt, erkranken nur etwa fünf bis zehn Prozent von ihnen, viele nicht einmal sofort, sondern erst später.

Wie wird Tuberkulose behandelt?

Schwierig ist auch die Behandlung von TBC-Infektionen. Die Erreger sind tückisch und man benötigt vier Antibiotika gleichzeitig, um sie zielgerichtet zu bekämpfen. Die Standardtherapie dauert gut ein halbes Jahr, die Kosten für die ambulante Behandlung belaufen sich auf 1.200 Euro. Zudem werden auch TBC-Erreger immer häufiger resistent und zeigen keine Empfindlichkeiten mehr gegenüber bestimmten Antibiotika. In einigen Fällen reagieren sie auch auf mehrere Antibiotika unempfindlich. Im Jahr kommt man laut RKI-Angaben auf rund 125 Fälle solcher multiresistenten TBC-Erreger. Die Behandlungskosten können in diesem Fall inklusive Klinikaufenthalt auf 50.000 Euro ansteigen.

Fiebig erklärte weiter, dass bei der Diagnose der Tuberkulose auch der Anlass für die Diagnose erfasst wird. So ist eine entsprechende Untersuchung vor Aufnahme in eine Gemeinschaftsunterkunft, wie ein Flüchtlingsheim, vorgeschrieben. Auch vor einem Haftantritt im Gefängnis muss die Untersuchung erfolgen. Besonders gefährdet, an TBC zu erkranken, sind laut Fiebig Menschen aus Regionen mit einer hohen TBC-Rate, Obdachlose und Drogenabhängige.

Die Tuberkulose zählt neben HIV und Malaria zu den schwersten Krankheiten der Menschheit. 2015 traten mehr als 60 Prozent der Neuinfektionen lediglich in sechs Staaten auf, genauer in Indonesien, Südafrika, China, Pakistan, Indien und Nigeria. Das zeigt, wie ungleich die weltweite Verteilung der Erreger ist.

Gut 10,4 Millionen Menschen sollen 2015 nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an TBC erkrankt sein. Lediglich jeder Fünfte hatte damals eine Chance auf eine Behandlung mit Antibiotika. 1,4 Millionen Menschen starben deshalb 2015 an Tuberkulose. Der Erreger wurde von Robert Koch vor 135 Jahren entdeckt. Später entwickelte man Antibiotika-Therapien dagegen und durch den zunehmenden Wohlstand in den Industrieländern geriet die Erkrankung zunehmend in Vergessenheit.

Quelle: dpa