Tankstelle vs. Supermarkt hat ausgedient

Bisher nutzt man Tankstellen vor allem, um das Auto vollzutanken. In den Mini-Shops der meisten Tankstellenbetreiber kann man auch schon lange Zigaretten und das Feierabendbier nach Ende der üblichen Öffnungszeiten von Supermärkten kaufen. In den letzten Jahren haben die Tankstellen ihr Sortiment immer weiter ausgebaut, so dass auch ein paar Kleinigkeiten, wie die fehlende Zutat fürs Abendessen, ein Fertiggericht, Toilettenpapier und Co. gekauft werden können. Dabei agieren die meisten Tankstellen aber nicht alleine.

Edeka und Rewe ToGo arbeiten mit Tankstellen zusammen

So will die Kette Aral in den kommenden fünf Jahren bis zu 1.000 Tankstellen mit Mini-Supermärkten unter dem Namen Rewe ToGo eröffnen. Eine erste Tankstelle von Aral in Düsseldorf ist bereits entsprechend umgebaut worden. Das Angebot erinnert ein wenig an den alten Tante-Emma-Laden. Der große Wocheneinkauf kann hier zwar nicht getätigt werden, vergessene oder kurzfristig ausgegangene Zutaten für bestimmte Rezepte, Hygieneartikel und Co. sind aber bereits im Angebot. Die Preise liegen meist etwas, häufig aber auch deutlich über den klassischen Supermarktpreisen, denn der Service, auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten einkaufen zu können, kostet nun einmal.

Aral begründet die Zusammenarbeit mit Rewe damit, dass die Verbraucher Rewe in punkto Lebensmittel mehr Vertrauen entgegenbringen, als dem Tankstellennamen Aral, so Detlef Brandenburg, Sprecher der Tankstellenkette.

Welche Tankstellen wollen noch Supermärkte aufbauen?

Doch Aral ist nicht alleine mit dem Plan, Supermärkte in Tankstellen aufzubauen. So arbeitet Edeka mit Jet zusammen. Schon 420 Tankstellen sind mit dem Shop-Konzept Spar-Express unter dem Motto „günstig shoppen wie im Supermarkt“ ausgestattet. Brot, Nutella, Zahnpasta aber auch Toilettenpapier können dort gekauft werden.

Shell testet schon an fünf Tankstellen in Nordrhein-Westfalen die Zusammenarbeit mit dem niederländischen Einzelhändler Albert Heijn. Bei Esso setzt man auf den Großhändler Lekkerland, der bisher schon hauptverantwortlich für die Belieferung von Tankstellen war. Das neue Shopkonzept läuft unter dem Namen „Frischwerk“.

Klappt der Test mit Esso will Lekkerland eine entsprechende Kooperation allen Tankstellenkunden anbieten. Und die werden sicher auf den Zug aufspringen, schließlich machen die Shop-Umsätze schon heute mehr als 60 Prozent des Einkommens aus. Das gilt zumindest für Aral-Tankstellen, wie das Unternehmen mitteilte.

Für die Tankstellenbetreiber ist die Investition in die Mini-Shops auch eine Investition in die Zukunft. Wenn sich die Elektromobilität weiter verbreitet, werden die Einnahmen der Tankstellenbetreiber eher sinken, so können sie sich durch den Shop ein Zubrot verdienen. Auch die Lebensmittelhändler sehen im Tankstellengeschäft noch Wachstumschancen, wohingegen beim klassischen Supermarkt der Verdrängungswettbewerb immer schärfer wird.

Wie viele Menschen kaufen an der Tankstelle ein?

Bislang ist die Zahl derer, die an der Tankstelle auch im Shop einkaufen, mit etwa 50 Prozent schon recht ansehnlich. Trotzdem ist noch Luft nach oben. Da werden auch die Anbieter experimentierfreudig. So plant man in einem der beiden „Frischwerk“-Testmärkte von Lekkerland die Einführung flexibler Preise. So sollen die Produkte in der Nacht, wenn reguläre Supermärkte geschlossen haben, teurer verkauft werden als tagsüber.

Quelle: dpa