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Nachbau der Chauvet-Höhle in Frankreich eingeweiht

Die Chauvet-Höhle in Frankreich gilt als prähistorischer Schatz. Die riesige Höhle mit teils sehr kunstvollen Wandmalereien soll jedoch geschützt werden. Damit Bakterien und Keime den Wandmalereien nichts anhaben können, dürfen nur ausgewählte Forscher die Höhle überhaupt betreten. Dennoch wollte man auch den interessierten Besuchern eine Möglichkeit bieten, die Chauvet-Höhle und deren einzigartige Wandmalereien aus der Steinzeit zu besichtigen. Dafür wurde eine originalgetreue Replik der Höhle angelegt, die jetzt endlich eingeweiht werden konnte.

Prähistorische Raubkatzen, Mammuts und Pferdeherden, auf dem Boden liegende Tierknochen und vieles mehr erwarten die Besucher in dem Nachbau der Chauvet-Höhle in Frankreich. Künftig soll die Replik sogar zum wahren Touristenmagneten des Landes werden.

Die Kunsthöhle in Südfrankreich erhielt den Namen Caverne du Pont d’Arc und wurde gestern von Staatschef François Hollande feierlich eingeweiht. Sie liegt nur einen Kilometer von der Original-Höhle entfernt und ab dem 25. April 2015 kann die Höhle dann auch vom Publikumsverkehr besucht werden.

Wandmalereien in der Chauvet-Höhle

Besonders erwähnenswert sind dabei die Wandmalereien der Cro-Magnon-Menschen. Vor mehr als 36.000 Jahren brachten sie über 425 Bilder von prähistorischen Tieren auf die Wände der Chauvet-Höhle. Zu diesen Tieren zählen Panther, Eulen, Löwen, Höhlenbären, Pferde, Mammuts und viele andere. Diese Kunstwerke sind voller Leben und sehr detailgetreu gezeichnet. In der Höhle befinden sich 1.000 verschiedene Malereien, die zu den ältesten der Welt gehören und damit einen einmaligen prähistorischen Schatz darstellen.

Vor 21 Jahren wurde die Chauvet-Höhle entdeckt – ausgerechnet von drei Hobby-Höhlenforschern. Die Grotte ist riesig und dass die Hobby-Höhlenforscher sie entdeckten, war purer Zufall. Denn vor 23.000 Jahren wurde der Zugang zur Höhle verschüttet. Die Malereien konnten wahrscheinlich nur deshalb die Zeit überdauern, da sie als sehr empfindlich gelten. Das ist auch der Grund dafür, dass die Höhle dem breiten Publikumsverkehr bislang versperrt blieb.

Dennoch sollen auch andere Menschen als ausgewählte Wissenschaftler die Chauvet-Höhle zu Gesicht bekommen, so dass die Replik angefertigt wurde. 3.500 Quadratmeter – diese Fläche weist die Replik der Höhle auf. Die Wände alleine haben eine Fläche von 7.500 Quadratmetern. Die steinzeitliche Lascaux-Höhle, die ebenfalls für ihre Wandmalereien berühmt war, hat auch einen Nachbau erhalten, allerdings ist dieser nur 300 Quadratmeter groß. Pascal Terrasse, der für den Nachbau der Chauvet-Höhle verantwortlich zeichnete, erklärte, dass noch niemals ein solcher Nachbau einer Höhle angefertigt worden sei.

Chauvet-Höhle – die Bilder leben auch in der Replik

Die Abbildungen auf den oft unebenen Felswänden sollten möglichst originalgetreu nachempfunden werden. Dafür wurden moderne 3D-Technologien angewendet. Gemalt wurden die Bilder dann aber von Hand – genau wie in der Steinzeit mit Holzkohle. Allerdings gab Gilles Tosello zu bedenken, dass die 3D-Technik mit ihrer Exaktheit den Nachbau erst möglich gemacht habe. Tosello selbst zeichnete eines der beeindruckendsten Bilder nach. Dementsprechend werden Besucher feststellen, bewegen sie sich in der Höhle, scheinen sich auch die Bilder zu bewegen.

Vier Jahre lang haben zehn Handwerker die Tropfsteine aus der Chauvet-Höhle nachgebildet. 55 Millionen Euro verschlang das Projekt, das jetzt natürlich seine Kosten wieder einspielen soll. Zusätzlich zum Nachbau der Chauvet-Höhle, die seit Sommer 2014 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, wurde ein Gebäude errichtet, in dem Ausstellungen stattfinden sollen. Auch pädagogische Arbeit soll hier verrichtet werden, es gibt ein Veranstaltungszentrum und ein Restaurant. Die Verantwortlichen hoffen jetzt auf jährlich 350.000 Besucher im Nachbau der Chauvet-Höhle, ein sehr ehrgeiziges Ziel.

Quelle: N-TV