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Korruption in Deutschland: Die aktuellen Zahlen des BKA

Wer glaubt, dass es keine Korruption in Deutschland gäbe, begeht einen fatalen Irrtum. Das beweisen die Zahlen, die vom Bundeskriminalamt im aktuellen Bundeslagebericht Korruption ausgewiesen werden.

Ein Wert aus dem Bundeslagebericht Korruption ist besonders erschreckend. 77 Prozent derjenigen, die im Jahr 2018 Vorteile gegen Geld- oder Sachleistungen gewährten, gehören zum Kreis der Amtsträger. Das heißt, von den insgesamt 1.534 Geldnehmern sind 1.181 Amtsträger. Die Mehrzahl der Geldnehmer zählt sich zu Beamten mit Leitungs- und Führungsfunktionen.

Fallzahlen bei der Korruption in Deutschland sind wesentlich höher

Insgesamt verzeichneten die deutschen Polizeireviere im vergangenen Jahr 3.804 Meldungen zu Straftaten rund um die Korruption. Zusätzlich wurden 1.607 Straftaten gemeldet, die in einem unmittelbaren Zusammenhang mit den Korruptionsvorwürfen stehen. Diese Fallzahlen weisen einen rückläufigen Trend auf. Im Jahr 2017 gab es noch 4.894 Anzeigen und 2016 sogar 6.502 Anzeigen wegen Korruption. Erfasst in diesen Zahlen sind alle Anzeigen und von amtlicher Seite eingeleiteten Ermittlungsverfahren auf der Grundlage der Paragrafen 299 und 300 des Strafgesetzbuchs sowie der Paragrafen 331 bis 335 und 108 des Strafgesetzbuchs. Eine signifikante Steigerung der Fallzahlen gab es bei Delikten nach den Paragrafen 331 (Vorteilsannahme), 332 (Bestechlichkeit) und 333 (Vorteilsgewährung).

Die Zahlen bei der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr (§ 299 StGB) waren im Jahr 2018 rückläufig. Die meisten der 535 registrierten Fälle gehörten zu einem Großverfahren, welches in Thüringen gegen ein Pharmaunternehmen durchgeführt wurde. Außerdem gab es im vergangenen Jahr 48 besonders schwere Fälle von Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr und im Gesundheitswesen. Die Zahl der Fälle von Vorteilsnahmen nach dem Paragrafen 331 hat sich im Vergleich der Jahre 2017 und 2018 fast verdoppelt. Ursache dafür sind die Ermittlungen gegen ein bayerisches Ingenieurbüro, welches erfolgreiche Bestechungsversuche bei zahlreichen Bürgermeistern und anderen Amtsträgern gestartet hatte.

Zahl der Geber sinkt und Zahl der Nehmer steigt

Die Anzahl der Vorteilsgeber reduzierte sich von 1.514 Personen im Jahr 2017 auf 924 Vorteilsgeber im Jahr 2018. Gleichzeitig stieg die Zahl der Vorteilsnehmer um 109 Personen auf insgesamt 1.534 Personen im Jahr 2018 an. Die überwiegende Mehrheit der Täter stellen Deutsche. Sie machen nach den Angaben des BKA 80 Prozent der insgesamt 2.458 Tatverdächtigen im Jahr 2018 aus. Die Hauptziele der Bestechungsversuche sind Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung. Darauf entfielen im Jahr 2018 nach den BKA-Zahlen 73 Prozent aller Bestechungsversuche. In sieben Prozent aller Fälle galten die Bestechungsversuche Vertretern der Justiz- und Strafverfolgungsbehörden.

Ein weiterer Fakt aus dem BKA-Report zur Korruption in Deutschland ist erschreckend. Ein erheblicher Teil der Korruptionsverbindungen besteht über lange Zeiträume. In 28 Prozent aller Fälle wurden kontinuierliche Kontakte über mehr als zwei Jahre hinweg ermittelt. Bei weiteren 37 Prozent der Fälle war es nicht möglich, die genaue Dauer der korrupten Verbindungen festzustellen. Der Anteil der Amtsträger unter den Nehmern steigt seit einigen Jahren kontinuierlich an. 2016 lag er noch bei 66 Prozent. 2017 betrug der Anteil bereits 73 Prozent und lag 2018 bei 77 Prozent. In 71 Prozent dieser Fälle handelt es sich um Amtsträger in Führungspositionen. Weitere 20 Prozent der korrupten Amtsträger sind als Sachbearbeiter bei Behörden tätig. Bargeld spielte mit einem Anteil von 62,9 Prozent bei der Korruption in Deutschland die wichtigste Rolle. Auf dem zweiten Rang landen mit 15,9 Prozent aller Fälle Sachzuwendungen.

Quelle: Bundeskriminalamt Bundeslagebild Korruption 2018