Juso-Chef fordert zwölf Euro Mindestlohn

Zum gestrigen Tag der Arbeit in Deutschland forderte Juso-Chef Kevin Kühnert eine deutliche Anhebung des Mindestlohns in Deutschland auf mindestens zwölf Euro pro Stunde. Aktuell liegt der Mindestlohn bei 8,84 Euro – was viel zu wenig ist.

Kühnert fordert die Anhebung des Mindestlohns noch in dieser Wahlperiode. Der „Rheinischen Post“ gegenüber erklärte Kühnert, dass der Mindestlohn „schon heute zwölf Euro oder mehr betragen“ müsste, um ihn „armutssicher zu machen“.

Juso-Chef steht mit Meinung zum Mindestlohn nicht alleine da

Der Juso-Chef Kevin Kühnert steht mit seiner Meinung, den Mindestlohn lieber gestern als heute zu erhöhen, übrigens nicht alleine da. Erst vor wenigen Tagen hatte die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass der derzeitige gesetzliche Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde zum Leben nicht ausreiche.

Dies gelte vor allem in Großstädten, wo die Mieten so hoch ausfallen, dass die Betroffenen ohne eine staatliche Aufstockung ihres Einkommens nicht überleben könnten. Aus der Studie geht hervor, dass in 15 von 20 Städten ein Mindestlohn von 9,50 Euro pro Stunde nötig wäre, um ohne staatliche Hilfen über die Runden zu kommen. In München wäre selbst der Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde nicht ausreichend. Laut den Böckler-Ökonomen müsste hier ein Mindestlohn von 12,77 Euro gezahlt werden, damit die Bevölkerung nicht auf Zusatzleistungen angewiesen sei.

Kühnert fordert nachdrücklich Debatte über Mindestlohn

In seinem Statement erklärte Kühnert, dass der Koalitionsvertrag mit der Union eine Debatte über eine Erhöhung des Mindestlohns nicht per se ausschließe. Bundesfinanzminister Olaf Scholz habe den Vorschlag Ende letzten Jahres zudem selbst gebracht. Wenn aber die Erhöhung des Mindestlohns nicht zustande komme, wovon Kühnert ausgeht, müsse ein deutlich höherer Mindestlohn zwingend in das künftige SPD-Wahlprogramm aufgenommen werden.

Auch an Hartz IV hat Kühnert einige Kritik zu üben. Er fordert eine Abschaffung der „bestehenden Schikanen“, insbesondere der Sanktionsmöglichkeiten. Er verweist darauf, dass viele Menschen in unnötigen Weiterbildungsmaßnahmen festhingen und umständlich um die Reparatur von Haushaltsgeräten kämpfen müssten. Auch hier fordert Kühnert „viele Korrekturen, um wieder zu einem würdevollen Umgang mit den Betroffenen zu finden“.

Quelle: dpa