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HIV-Infektion: Lebenserwartung massiv gestiegen

Die Infektion mit dem HI-Virus ist nicht mehr mit dem unvermeidlichen Todesurteil gleichzusetzen. Das fanden Forscher jetzt in einer Studie heraus. Durch moderne Medikamente und die insgesamt verbesserte, medizinische Versorgung der Patienten, ist die Lebenserwartung von HIV-Patienten in den USA und Europa deutlich gestiegen. Trotz der Infektion können die Patienten fast genauso alt werden, wie der Durchschnitt der Bevölkerung.

So alt können HIV-Patienten werden

Wie die Forschergruppe im Fachmagazin „The Lancet HIV“ berichtet, könne ein Patient, der sich nach dem Jahr 2008 mit dem HI-Virus im Alter von 20 Jahren infiziert und mit der Behandlung begonnen hat, statistisch betrachtet 78 Jahre alt werden. Voraussetzung ist natürlich, dass er gut auf die Behandlung anspricht.

Zudem räumen die Forscher ein, dass diese Aussagen nicht für alle HIV-Infizierten gelten, selbst wenn sie Medikamente erhalten. Die Lebenserwartung liegt im Schnitt bei 73 Jahren für Männer und 76 Jahren für Frauen, sofern sie das erste Jahr der Behandlung überstanden haben. Laut Sterbetafel 2013/2015 lag die Lebenserwartung in Deutschland für 30-jährige Männer bei 79 Jahren, für ebenso alte Frauen bei 84 Jahren.

In der Studie zeige sich, wie stark sich die verbesserten Behandlungsmethoden auf die Lebenserwartung der Patienten auswirken. Untersuchungen, Vorbeugungsmöglichkeiten und Therapie der Erkrankungen, die mit der Infektion einhergehen, können damit die Lebenserwartung deutlich verlängern, wie Adam Trickey erklärt. Er hatte die aktuelle Studie an der Universität von Bristol geleitet. Bei dem eingangs erwähnten Beispiel eines 20-Jährigen, der nach 2008 mit der Behandlung begonnen bzw. sich infiziert hatte, ist die Lebenserwartung um zehn Jahre gestiegen. Als Vergleich nahm man einen Patienten, dessen Therapie 1996 begonnen hatte.

Weniger Nebenwirkungen bei HIV-Medikamenten

Seit Mitte der 1990er Jahre wird die antiretrovirale Therapie eingesetzt. Bei dieser erhalten die Patienten eine Kombination aus drei oder mehr Medikamenten, die dafür sorgen, dass sich die Viren im Körper nicht vermehren können. So kann die Erkrankung zwar nicht geheilt werden, aber zumindest wird die Menge der im Körper befindlichen Erreger reduziert.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Medikamente, die stetig weiter entwickelt wurden, heute weniger Nebenwirkungen haben. Daher könnte die erhöhte Lebenserwartung mit dieser Tatsache in Verbindung stehen. Außerdem gibt es heute mehr Optionen zur Therapie für all jene Patienten, die unter Resistenzen leiden. Zusätzlich haben sich mittlerweile die Behandlungsmöglichkeiten für Begleiterkrankungen, wie Herzkrankheiten, Krebs oder Hepatitis C deutlich verbessert.

Die Forscher werteten die Daten von mehr als 88.000 HIV-Patienten aus Europa und den USA aus. Die Erkenntnisse aus der Studie seien vor allem wichtig, um bestimmte Risikopersonen zu ermutigen, sich testen zu lassen. Nur so könne frühzeitig mit der Behandlung begonnen werden. In diese Kerbe schlägt auch die derzeitige Diskussion um die Zulassung von HIV-Tests für zu Hause.

Mit den Studienergebnissen, so die Forscher, hoffe man, HIV-Patienten einfacher überzeugen zu können, mit der antiretroviralen Therapie zu beginnen. Durch die längere Lebenserwartung könnten diese weniger ausgegrenzt werden und hätten möglicherweise auch bessere Chancen im Job.

Quelle: AFP