Gesunde Ernährung: Könnte eine Zuckersteuer helfen?

Die Einführung einer Zuckersteuer wird vor allem von Kinderärzten gefordert. Das halten sie angesichts der steigenden Zahl übergewichtiger Kinder und Jugendlicher für notwendig.

Eine Zuckersteuer könnte eine ähnliche Wirkung haben, wie sie bereits die Steueraufschläge auf die sogenannten Alkopops hatten. Nach der Einführung der Abgabe ging der Konsum unter Jugendlichen aufgrund der Verteuerung um stolze 80 Prozent zurück. Die Kinderärzte hoffen, mit einer Zuckersteuer auch den übermäßigen Konsum von Süßigkeiten zu begrenzen.

Übergewicht und Adipositas bei Jugendlichen sehr verbreitet

Nach Erhebungen des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2018 sind in Deutschland 15,4 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren übergewichtig. Knapp 6 Prozent erfüllen die Kriterien für die Diagnose Adipositas. Bei einem Übergewicht im Alter von bis zu sechs Jahren gehen viele Eltern davon aus, dass die Kinder die überflüssigen Pfunde allein durch den Stress in der Schule wieder loswerden. Doch leider ist das nicht der Fall, denn nur rund die Hälfte dieser Kinder weist zum Ende des 17. Lebensjahres Normalgewicht auf. Schon zum Zeitpunkt der Erhebung dieser Daten bemängelten die Ärzte den übermäßigen Genuss von Zucker. Allerdings betraf ihre Kritik hauptsächlich den zu intensiven Genuss von zuckerhaltigen Getränken.

Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker ist in Deutschland extrem hoch

In den 1950er Jahren verbrauchte jeder Einwohner von Deutschland pro Jahr rund 28,1 Kilogramm Zucker (umgerechnet in Weißzuckerwert). In den 1960er Jahren stieg der Zuckerverbrauch pro Kopf und Jahr bereits auf 30,3 Kilogramm. Zwei Jahrzehnte später wurden 35,6 Kilogramm pro Jahr und Kopf ermittelt. Der bisherigen Spitzenverbrauch gab es in den Jahren 2012/2013 mit 37,6 Kilogramm. Für die Jahre 2016 und 2017 gibt das Statistische Bundesamt einen Pro-Kopf-Verbrauch von 33,8 Kilogramm an. Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke machen einen Großteil dieses Verbrauchs aus. Eine Verteuerung könnte bei Kindern und Jugendlichen vor allem deshalb wirksam sein, weil sie sich diese Dinge häufig unkontrolliert von den Eltern vom Taschengeld kaufen.

Kinderärzte halten Nutri-Score für eine sinnvolle Maßnahme

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (kurz BVKJ) spricht sich außerdem für eine flächendeckende Einführung des Nutri-Scores zur Kennzeichnung von Lebensmitteln aus. Die einfache und übersichtliche Gestaltung macht es vor allem Kindern und Jugendlichen leicht, die von Naschereien ausgehenden gesundheitlichen Gefahren zu erkennen. Kaum ein Kind prüft die Pflichtangaben in den Nährwerttabellen. Außerdem sind vor allem jüngere Kinder nicht in der Lage, aus den Nährwerttabellen die korrekten Schlussfolgerungen zu ziehen. Allein schon deshalb ist es sehr traurig, dass ein deutsches Gericht im April 2019 Iglo Deutschland die freiwillige Kennzeichnung der Produkte mit dem Nutri-Score per Einstweiliger Verfügung untersagt hatte.

Quelle: BVKJ, Statistisches Bundesamt, Robert-Koch-Institut