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Gasversorgung: Bundesnetzagentur befürchtet Totalausfall von Nord Stream 1

Heating radiator

Die Gasversorgung ist eines der Hauptprobleme, die Deutschland lösen muss. Russland könnte den Hahn bei Nord Stream 1 dauerhaft zudrehen.

Noch hat Deutschland eine Woche Zeit, um die Gasspeicher aus den geringen Lieferungen über die Pipeline Nord Stream 1 weiter zu befüllen. Doch das könnte sich sehr schnell ändern und drastische Auswirkungen auf die Sicherheit der Gasversorgung haben. Im Sommer werden alljährlich Wartungsarbeiten an der Pipeline durchgeführt. Sie beginnen in diesem Jahr ab dem 11. Juli und bedeuten üblicherweise eine komplette Unterbrechung der Gaslieferungen für einen Zeitraum von zehn Tagen. Doch sowohl der Chef der Bundesnetzagentur (Klaus Müller) als auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zeigten sich in aktuellen Statements sehr besorgt. Sie befürchten, dass Russland die Lieferungen über Nord Stream 1 dauerhaft einstellen könnte, um so Druck auf die politischen Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg auszuüben.

Wie sind die aktuellen Entwicklungen bei der Gasversorgung?

Seit Anfang Juni hat Russland die gelieferten Gasmengen zuerst stufenweise und ab dem 14. Juni 2022 drastisch reduziert. In den letzten Drei Wochen lag das Niveau der russischen Lieferungen gerade einmal noch bei rund 40 Prozent des Durschnitts von Januar bis Mai 2022. Zeitgleich wurden die aus Belgien, den Niederlanden und Norwegen bezogenen Gasmengen gesteigert. Allerdings können sie die Ausfälle der Lieferungen aus Russland nicht kompensieren. Die Gesamtimporte liegen deshalb um circa ein Viertel niedriger als vor dem Zeitpunkt der Drosselung der Mengen in den Pipelines, die Erdgas aus dem Osten nach Deutschland bringen. Trotzdem war es möglich, die Speicherfüllstände zu erhöhen, auch wenn sich die täglichen Zuwächse der Speicherstände deutlich verringert haben. Dazu trug und trägt vor allem die Tatsache bei, dass der Verbrauch im ersten Halbjahr 2022 im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 nach den offiziellen Daten der Bundesnetzagentur spürbar gesunken ist.

Welche Maßnahmen werden zur Sicherung der Gasversorgung getroffen?

Erste Kommunen haben entschieden, dass ein Großteil der Schwimmhallen in den Schulferien im Sommer geschlossen wird. Das betrifft vor allem Hallenbäder, die das Wasser und die Luft mit Gas aufheizen. Zu diesen Kommunen gehört beispielsweise Dresden. Der Chef der Bundesnetzagentur erklärte in einem aktuellen Pressestatement, dass es auch im Herbst und Winter bei Problemen mit der Gasversorgung zu Einschnitten bei den Angeboten von Freizeit- und Spaßbädern kommen wird. Er benannte den gesamten Freizeitbereich als nachrangig und nicht zum systemrelevanten Bereich gehörig. Selbst im Lebensmittelbereich kann er sich Einschränkungen vorstellen und verwies als Beispiel auf die Süßwarenindustrie, die bei einer Rationierung des Gasbezugs hinter den Betrieben zurückstehen muss, die Grundnahrungsmittel herstellen.

Bei der Umsetzung von Ideen zur Gaseinsparung alle Aspekte bedenken!

Nach den Angaben des Unternehmenschefs Carsten Knobel gegenüber der Redaktion „Rheinische Post“ will der Henkel-Konzern die Verwaltungsangestellten im Herbst und Winter ins Homeoffice schicken. So könnte das Unternehmen Gas bei der Beheizung der Büros sparen. Viele Eigentümer/-innen und Mieter/-innen nutzen moderne Smart Home-Technik und senken die Raumtemperatur in der Zeit ab, in der sie ihrem Job nachgehen. Deshalb bestehen logische Zweifel, ob eine solche Vorgehensweise Sinn macht. Die Frage ist, ob die Beheizung weniger Büroräume oder die Beheizung zahlreicher Räume im Homeoffice mehr Gas verbraucht. Einen Vorteil hätten die Angestellten. Sie könnten auf diese Weise Belastungen durch extrem hohe Kraftstoffpreise umgehen, falls sie nicht ohnehin umwelt- und klimafreundlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren. Allerdings würden sie nur dann davon profitieren, wenn Henkel den Angestellten die zusätzlichen Aufwendungen zur Beheizung ihres Arbeitsplatzes im Homeoffice ersetzt.

Quelle: Bundesnetzagentur, Bundeswirtschaftsministerium, Rheinische Post