Dünkirchen bietet ab September gratis Busfahrten

Im nordfranzösischen Dünkirchen dürfen die Menschen ab September 2018 ohne Fahrschein mit dem Bus fahren. Die umstrittene Idee für einen kostenfreien Nahverkehr gab es auch in Deutschland – doch was ist bisher daraus geworden?

Ab September sollen mit dem Modellprojekt in Dünkirchen wieder mehr Menschen in die Busse gebracht werden, so Patrice Vergriete, Bürgermeister der französischen Stadt. Auch die Straßen in der Stadt sollen so entlastet werden.

60 Prozent gestiegene Busnutzung

In der Vergangenheit hatte man entsprechende Versuche bereits an den Wochenenden gestartet. Dabei konnte eine um bis zu 60 Prozent gestiegene Busnutzung beobachtet werden. Dünkirchen an der belgischen Grenze hat rund 200.000 Einwohner und verspricht sich eine deutliche Entlastung vom kostenfreien Nahverkehr.

Auch in anderen französischen Kommunen experimentiert man bereits mit dem kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Selbst in der französischen Hauptstadt Paris ist die Metro während der Zeiten von Smog meist kostenlos.

Deutschland: Fünf Städte wollen gratis ÖPNV testen

In Deutschland fordert man ebenfalls seit längerem einen gratis ÖPNV. Fünf Städte hierzulande hätten sogar die Möglichkeit, dies auszutesten: Mannheim, Reutlingen, Bonn, Herrenberg in Baden-Württemberg und Essen wurden als Modellstädte ausgewählt, die Maßnahmen zur Luftverbesserung testen sollen. Ein kostenloser ÖPNV wurde als eine Möglichkeit vom Bundesumweltministerium ins Spiel gebracht, stieß aber bei keiner der Kommunen auf Interesse.

Maßgeblich dürften dafür die Kosten verantwortlich sein. Für größere Städte sind die Kosten für einen kostenfreien ÖPNV mit enormen Ausgaben verbunden. Alleine beim Hamburger Verkehrsverbund würde der Umstieg auf gratis ÖPNV 830 Millionen Euro Einnahmen aus Fahrkartenverkäufen kosten. Das entspricht in etwa der Summe, die für die Elbphilharmonie angefallen ist.

Die Kommunen gaben zudem an, dass auch Einsparungen, etwa durch entfallende Verkaufsautomaten und Fahrscheinkontrollen den Verlust nicht alleine aufwiegen könnten. Wie Verkehrswissenschaftler Oded Cats mitteilte, machen Automaten und Schaffner gerade einmal drei bis fünf Prozent der Betriebskosten aus, während die Ticketverkäufe für rund 40 bis 60 Prozent der Einnahmen verantwortlich sind. Es ergäbe sich also eine Lücke, die mit Steuergeldern finanziert werden müsste.

Autofahrer steigen selten auf ÖPNV um

Die fünf Modellstädte wollen jetzt auf vergünstigte Ticketpreise für Bus und Bahn setzen, statt den Nahverkehr komplett gratis anzubieten. Dies sei die einzig richtige Reaktion, denn gerade Autofahrer lassen sich in vielen Fällen nicht auf den Umstieg ein. In Tallin, der estnischen Hauptstadt, gibt es den kostenlosen Nahverkehr schon seit 2013. Die Zahl der Fahrgäste stieg insgesamt an, ließ sich jedoch allein auf die ehemaligen Fußgänger zurückführen, die jetzt mit Bus und Bahn fahren.

Der Autoverkehr veränderte sich in Tallinn dagegen überhaupt nicht. Dabei geht es gerade darum, die Zahl der Autos auf den Straßen zu reduzieren, um die Stickoxidbelastung zu verringern. Die Modellstädte erhoffen sich mehr von vergünstigten Ticketpreisen. So soll es in Bonn und Reutlingen Jahrestickets für 365 Euro geben, in Essen werden Neukunden mit Abo-Tickets gelockt: Statt der gebuchten 30 Monate zahlen sie nur 15 Monate. Mannheim und Herrenberg wollen die allgemeinen Preise um ein Drittel bis die Hälfte senken.

Quelle: dpa