Unbezahlte Stromrechnungen: Mehr Haushalte mit Stromsperre

Wegen unbezahlter Stromrechnungen haben die deutschen Stromversorger im letzten Jahr gut 4,8 Millionen Kunden gedroht, ihnen den Strom abzudrehen. In der Regel kommt es nicht bis zum Äußersten, doch die Zahl der Stromsperren in Deutschland steigt.

Knapp 344.000 Haushalte saßen im letzten Jahr aufgrund unbezahlter Rechnungen ohne Strom da. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um 14.000. Das zeigt der aktuelle Monitoring-Bericht der Bundesnetzagentur zum Strommarkt. Mit 98.000 Stromsperren war Nordrhein-Westfalen trauriger Spitzenreiter im Ranking.

Zahl angedrohter Stromsperren ebenfalls gestiegen

Auch die Zahl der angedrohten Stromsperren ist im letzten Jahr gestiegen – auf 4,8 Millionen. Zur endgültigen Stromsperre kam es dann in sieben Prozent der Fälle. In dem Bericht spricht man von der „Vermutung, dass eine Sperrandrohung in vielen Fällen zu einer Zahlung führt“. Allerdings verweist der Bericht auch auf den hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand. Sperren müssen nämlich oft vor Gericht durchgesetzt werden.

Grundsätzlich gilt, dass Stromversorger die Versorgung erst dann kappen dürfen, wenn Kunden mit wenigstens 100 Euro in Verzug sind und zuvor eine Mahnung mit Androhung der Sperrung erhalten haben. Zudem muss der Versorger seinem Kunden eine Ankündigung zustellen sowie ihm eine letzte Gelegenheit zur Zahlung geben, bevor er den Strom tatsächlich abstellen kann. Die Kunden müssen für Mahnung, Stromsperre und Entsperrung des Anschlusses mit zusätzlichen Gebühren rechnen.

Wechsel des Stromlieferanten: Nicht mehr so begehrt

Aus dem Bericht der Bundesnetzagentur geht ebenfalls hervor, dass die Zahl der Haushalte, die den Stromanbieter gewechselt haben, im letzten Jahr nur minimal gestiegen ist. Insgesamt haben 4,7 Millionen Haushalte den Stromanbieter 2017 gewechselt, das sind 17.000 mehr als 2016.

Bei den Wechslern, die ohne Umzug ihren Stromanbieter wechselten, sank die Zahl sogar um 70.000 Haushalte auf 3,5 Millionen. Wie die Bundesnetzagentur ermittelt hat, können Stromkunden durch einen Wechsel rund 85 Euro jährlich sparen. Doch der größte Teil (zwei Drittel) der deutschen Haushalte wird nach wie vor vom örtlichen Grundversorger beliefert.

2014 wurden übrigens die meisten je gemessenen Stromsperren durchgeführt: 351.802 Haushaltskunden haben damals den Strom abgestellt bekommen.

Quelle: dpa