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Therapieberufe: Wie ist die aktuelle Lage in Deutschland?

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Die Zahl der Ausbildungen für die Therapieberufe ist in Deutschland seit einigen Jahren rückläufig. Das ist sehr brisant, weil diese Berufsgruppen zu den Bereichen mit einem akuten Fachkräftemangel gehören.

In einer Antwort zu einer Kleinen Anfrage von FDP-Abgeordneten des Bundestags hat die Bunderegierung aktuelle Zahlen zur Entwicklung der Therapieberufe genannt. Sie zeigen, dass sich an der Mangelsituation so schnell nichts ändern wird. Die Situation könnte sich sogar drastisch verschärfen, denn inzwischen werden Forderungen nach einer akademischen Ausbildung in den Therapieberufen laut. Sollte sich dieser Forderung durchsetzen, sinkt die Zahl der verfügbaren Therapeuten noch weiter. Der Bundesgesundheitsminister spricht sich deshalb ganz klar gegen eine Vollakademisierung dieser Berufsgruppen aus.

Wie hat sich die Anzahl der Abschlüsse für die Therapieberufe entwickelt?

Im Jahr 2011 erreichten noch 6450 Absolventen bundesweit den Abschluss für eine Tätigkeit in der Physiotherapie. Im Jahr 2018 wurden lediglich noch 5325 Abschlüsse verzeichnet. In der Ergotherapie präsentiert sich ein ähnliches Bild. Hier sank die Zahl der Abschlüsse von 2870 im Jahr 2011 auf 2535 im Jahr 2018. Auch die Zahl der Neuzugänge unter den Logopäden ist rückläufig. Im Jahr 2011 starteten noch 1169 Logopäden in eine berufliche Zukunft. Im Jahr 2019 gab es lediglich noch 999 Absolventen im Fach Logopädie. Die Zahl der Berufsabschlüsse im Fachbereich Podologie sank von 433 im Jahr 2011 auf 390 im Jahr 2018. Doch es gibt auch gute Nachrichten. Zum Ausbildungsjahr 2018/2019 haben 7836 Interessenten eine Ausbildung zur Physiotherapeutin oder zum Physiotherapeuten begonnen. In den Bereichen Ergotherapie, Logopädie und Podologie sank die Zahl der Neustarts in die Ausbildung in den Schuljahren 2017/2018 sowie 2018/2019 erneut.

Wie viele Vertreter der Therapieberufe gibt es aktuell in Deutschland?

Der Anteil der vollbeschäftigen Angehörigen der Therapieberufe steigt in den letzten Jahren kontinuierlich an. 2012 gab es bundesweit 128.562 Vollbeschäftige im Bereich Physiotherapie. Bis zum Jahr 2019 stieg die Zahl auf 156.889 Vollbeschäftigte. Ähnlich präsentiert sich die Entwicklung bei der Ergotherapie. Hier stehen 39.561 Vollbeschäftigten (2012) immerhin 51.067 Vollbeschäftigte im Jahr 2019 gegenüber. Zeitgleich hat sich die Zahl der vollbeschäftigten Sprachtherapeuten von 13.007 auf 18.587 erhöht. Das Ausmaß der Geringbeschäftigung hat sich im Betrachtungszeitraum kaum verändert. Anders sieht es beim Bestand der Arbeitssuchenden im Bereich der Therapieberufe aus. Sie hat sich von 2011 bis 2019 im Jahresdurchschnitt etwa halbiert. Auf dem Arbeitsmarkt waren im Schnitt im vergangenen Jahr 607 Podologen/Podologinnen, 6080 Physiotherapeuten/Physiotherapeutinnen sowie rund 2000 Ergotherapeuten/Ergotherapeutinnen und 585 Sprachtherapeuten/Sprachtherapeutinnen verfügbar. Die zu Jahresbeginn 2020 als offenen gemeldeten Stellen könnte mit diesem Bestand bei einer regionalen Umverteilung besetzt werden. Bei den Podologen gäbe es sogar einen Überschuss. Ein Defizit bliebe lediglich bei den Sprachtherapeuten.

Quelle: Deutscher Bundestag Drucksache 19/17411