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Klimagefahren durch Hinterlassenschaften der Erdölförderung

Strand mit Warnflagge

Von der Erdölförderung gehen nicht nur Risiken für die Flora und Fauna der Meere aus. Aktuell bestätigen immer mehr Forschungen, dass sie das Klima nicht nur während der Betriebszeiten der Bohrinseln belasten.

Dass die Offshore-Erdölgewinnung und Erdgasgewinnung extrem gefährlich ist, dürfte auch dem letzten Zweifler spätestens nach dem Untergang der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ bewusst geworden sein. Sogar nach dem Rückbau der Bohrplattformen sind die Umwelt- und Klimaschäden der Erdölförderung immens. Das gilt genauso für Erkundungsbohrungen an Stellen, an denen später keine aktive Nutzung erfolgt.

Erdölförderung sorgt für Austritt von riesigen Mengen Methan in der Nordsee

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat mit der „Esperanza“ und der „Rainbow Warrior“ gleich zwei ihrer Schiffe in die Nordsee geschickt, um Untersuchungen an den Methan-Lecks durchzuführen. Im Fokus der Forschungen steht ein Methan-Leck, das im Jahr 1990 bei einer Erkundungsbohrung des heutigen Unternehmens Exxon Mobil entstand. Erste Messungen haben bestätigt, dass dort auch noch drei Jahrzehnte nach dem Blowout große Mengen Methan austreten. Wissenschaftler des GEOMAR-Forschungszentrums in Kiel gehen davon aus, dass allein von dort rund ein Kubikmeter Methan pro Sekunde aus dem Meeresboden aufsteigt. Bisherigen Untersuchungen zufolge schafft es rund ein Drittel des Methans bis an die Meeresoberfläche und in die Atmosphäre. Dort wirkt es als Treibhausgas und forciert den Klimawandel mit einem mehr als 20-fach höheren Wirkungsgrad als vergleichsweise Kohlendioxid. Ein Teil des austretenden Methans dient Mikroben als Nährstoff. Ein weiterer Teil löst sich im Meereswasser. Bisher kann niemand mit verlässlicher Sicherheit sagen, welche Folgen das für die Flora und Fauna im Umfeld der Methan-Lecks hat.

Daten zu den Methan-Lecks von GEOMAR und Greenpeace sind erschreckend

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace gibt in einer aktuellen Meldung an, dass aus den Hinterlassenschaften der Erdölförderung in der Nordsee pro Jahr bis zu 30.000 Tonnen Methan entweichen. Das deckt sich mit Angaben von GEOMAR im Rahmen einer Studie, die vom „Horizon2020“-Programm der Europäischen Union gefördert wurde. Dabei wurden 1.792 Bohrlöcher genauer untersucht. Aus diesen Bohrlöchern gelangen Hochrechnungen zufolge bis zu 3.700 Tonnen Methan in die Nordsee. Allerdings weisen die Macher der Studie darauf hin, dass es allein im Boden der Nordsee über 15.000 Bohrlöcher gibt. Hinzu kommen die Mengen Methan, die beim aktiven Betrieb der Bohrplattformen ins Meerwasser und in die Atmosphäre gelangen. Das sind allein bei den Nordsee-Bohrplattformen rund 72.000 Tonnen Methan pro Jahr. Hinzu kommen nach den Schätzungen von Greenpeace 30 Millionen Tonnen Kohlendioxid.

Quelle: GEOMAR, Greenpeace