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EEG-Technik als Schnittstelle zwischen Mensch und Umwelt

In Kiel arbeitet eine Gruppe von Forschern derzeit an einer Möglichkeit, die bisher nur für die Diagnostik eingesetzte Elektroenzephalografie, kurz EEG, künftig auch zu verwenden, um beispielsweise gelähmten Menschen Interaktionen mit ihrer Umwelt zu ermöglichen. Das Forscherteam unter der Leitung von Professor Gerhard Schmidt kann bereits erste erreichte Etappenziele vorweisen. Allerdings hat die derzeit genutzte Technik noch einige Nachteile, die den Einsatz im Alltag erheblich erschweren.

Wie soll die EEG-Technik ausgenutzt werden?

Bei einem EEG werden mit speziellen Elektroden die in einzelnen Hirnarealen auftretenden Ströme gemessen. Sie verändern sich mit den Gedanken eines Menschen. Theoretisch ist es also möglich, diese Veränderungen messen und auswerten zu können. In der Praxis haben das Professor Schmidt und seine Mitstreiter bereits nachgewiesen. So konnte im Labor eine Kamera allein durch die Blickrichtung des Probanden gesteuert werden, ohne dass dafür seine Augenbewegungen ausgewertet wurden. Allerdings ist das Verfahren zur Nutzung der EEG-Technik für die Steuerung noch sehr kompliziert. Die Wissenschaftler wandeln die mit dem EEG gemessenen Veränderungen zuerst in akustische Signale um, die wiederum von einer Software ausgewertet und in Befehle zur Steuerung der Kamera umgesetzt werden. Praxisreif ist die Technik noch nicht. Moritz Grosse-Wentrup, tätig am Max-Planck-Institut in Tübingen geht derzeit davon aus, dass es bis zur flächendeckenden Nutzung derartiger Technik noch rund zehn Jahre dauern wird.

Welche Alternativen zur EEG-Technik gibt es derzeit?

Einen Ansatz zur Auswertung der im Gehirn fließenden Ströme verfolgen auch Forscher aus den USA. Sie arbeiten aber nicht wie die Kieler Forscher mit einem Helm, sondern implantieren den Probanden Elektroden direkt ins Gehirn. Die damit erzielten Erfolge können sich sehen lassen, denn sie machen sogar komplexe Bewegungen möglich. Allerdings hat auch diese Technik einen entscheidenden Nachteil: Die implantierten Drähte korrodieren und müssen deshalb regelmäßig ausgetauscht werden. Außerdem stellen sie durch die Korrosion selbst eine Gefahr für das Hirn dar. Deshalb ist es das Ziel der Kieler Forscher, die Auswertung der Hirnströme mit externen Magnetfeldsensoren zu erreichen. Das hätte den Vorteil, dass die Messung berührungslos erfolgen kann. Gerhard Schmid kann sich sogar vorstellen, dass seine Art der Nutzung der EEG-Technik in ferner Zukunft sogar zu einem Bestandteil der Sicherheits- und Fahrerassistenzsysteme in Fahrzeugen werden kann.

Quelle: Kieler Nachrichten