Bei Amazon streiken erneut 2.000 Mitarbeiter

Der Tarifstreit beim Versandhändler Amazon geht in eine neue Runde. Laut Gewerkschaft haben gestern rund 2.000 Beschäftigte ihre Arbeit niedergelegt. Betroffen waren insgesamt sechs Standorte, von Bad Hersfeld über Graben bei München, Leipzig, Rheinberg und Koblenz bis Werne. Allerdings waren dennoch drei deutsche Logistikzentren des Versandhändlers arbeitsfähig.

Leichte Lohnerhöhung seitens Amazon reicht nicht aus

Wie die Gewerkschaft berichtete, hatte Amazon die Löhne zuletzt leicht erhöht. Trotzdem kritisiert die Gewerkschaft, dass die Anhebungen „deutlich hinter der Branchenentwicklung und den Forderungen der Gewerkschaft zurück“ bleiben.

Die Gewerkschaft Verdi fordert von Amazon weiterhin, ihre Mitarbeiter nach dem Tarifvertrag für den Versand- und Einzelhandel zu bezahlen. In diesem Tarifvertrag waren die Löhne zuletzt um 2,3 Prozent angehoben wurden, außerdem wurde eine weitere Lohnsteigerung von zwei Prozent für das kommende Jahr angekündigt. Hinter dieser Einigung blieben die Anhebungen von Amazon jedoch deutlich zurück.

Laut Verdi-Angaben verweigert Amazon auch weiterhin die Aufnahme von Tarifverhandlungen. In Zukunft will man laut Thomas Voß, bei Verdi zuständig für den Versand- und Onlinehandel, den Druck auf Amazon mit immer neuen Streiks weiter ausbauen. Allerdings hat das bisher wenig gebracht, denn bereits seit 2013 legen die Mitarbeiter des Onlineriesen ihre Arbeit immer und immer wieder nieder.

Gute Arbeitgeber brauchen keinen Tarifvertrag

Von Amazon hieß es dagegen, dass man auch ohne Tarifvertrag ein guter Arbeitgeber sein könne. So erhielten Amazon-Mitarbeiter nach 24 Monaten Betriebszugehörigkeit im Schnitt 2.483 Euro brutto pro Monat. Zusätzliche Leistungen, wie Sondervergütungen für Überstunden, leistungsbezogene Boni und Aktien, erhielten die Mitarbeiter ebenfalls.

Wie Amazon immer wieder erklärt, führen die wiederholten Streiks jedoch nicht zu verspäteten Lieferungen. Dafür greift der Konzern auf sein europäisches Netzwerk zurück, das aus insgesamt 31 Logistikzentren in sieben Ländern besteht.

Jutta Krellmann, gewerkschaftspolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, schießt dagegen heftig gegen Amazon. Man betreibe ein obszönes Dumpingmodell. So „sprudelten“ die Gewinne im Onlinehandel und gleichzeitig „explodieren die Verkaufsflächen“. An dieser Entwicklung müssten auch die Mitarbeiter endlich teilhaben, so Krellmann.

Quelle: dpa