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Verändert COVID-19 die kulturellen Angebote für immer?

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In Hollywood geht die Angst um, dass die Filmstudios einige kulturelle Angebote nicht mehr für die Refinanzierung ihrer Projekte nutzen können. Tatsächlich stehen die Zeichen auch „auf Sturm“.

Das Hauptproblem der Filmstudios ist die Tatsache, dass sie derzeit nicht alle Märkte auf den großen Leinwänden der Kinos bedienen können. In den USA ist die Situation inzwischen so brisant, dass ein dauerhafter Ausfall der Kinos als Teil der kulturellen Angebote befürchtet wird. Dort gibt es einige Städte, in denen zwar Bars und Restaurants wieder öffnen durften, die Kinos aber ihre Türen geschlossen halten müssen, obwohl sich dort Hygienekonzepte und Abstandsgebote wesentlich einfacher umsetzen lassen. Ein Beispiel ist New York City. Die Branchenanalysten vermuten, dass das Fortbestehen unterschiedlicher Regelungen zu einem „Kinotourismus“ führen wird, weil die Fans auf den Genuss neuer Blockbuster auf der großen Leinwand nicht verzichten wollen und deshalb auch den Zusatzaufwand einer Fahrt in ein anderes Bundesland oder County auf sich nehmen.

Große Kinoketten haben den Betrieb vorübergehend ganz eingestellt

So kündigte beispielsweise die Cineworld Group die Schließung aller zu Regal Cinemas gehörenden Location ab dem 8. Oktober 2020 an. Betroffen sind 536 Großkinos in den USA und 127 Cineworld-Kinos und Picturehouse-Kinos in Großbritannien. Dadurch verlieren in beiden Ländern rund 45000 Angestellte ihren Job. Die Entscheidung kam nach der neuerlichen Terminverschiebung bei der Premiere des neuesten Teils der James-Bond-Reihe. Der Film „No Time To Die“ kommt nach der aktuellen Terminierung erst im April 2021 in die Kinos. Insgesamt macht die Cineworld Group in ihrer Begründung die zahlreichen Premierenverschiebungen für die Notwendigkeit der temporären Schließung ihrer Standorte verantwortlich. Ein konkretes Datum für die Wiederinbetriebnahme gibt es nicht. Brancheninsider gehen davon aus, dass sie vom Premierentermin von „Wonder Woman 1984“ abhängig gemacht wird.

Kleinstadtkinos sind besonders von der Coronakrise betroffen

Zahlreiche Betreiber von Kinos in amerikanischen Kleinstädten haben die Möglichkeit zur Wiedereröffnung mit strengen Hygieneauflagen genutzt. Sie stellten allerdings schnell fest, dass der Betrieb angesichts mangelnden Nachschubs neuer Filme nicht lohnenswert ist. Die Betreiber müssen die Folgen der auflagenbedingten Schließungen und der Terminpolitik der großen Hollywoodstudios verkraften. Schon jetzt ist absehbar, dass das vielen Kleinstadtkinos die Existenz kosten wird. Die Folgen bleiben nicht nur auf die USA beschränkt. Der fehlende Filmenachschub belastet auch die Besucherzahlen und Einnahmen der Kinobetreiber in Deutschland. Mit Wiederholungen können sie kaum Besucher vor die Leinwände locken. Zudem fühlen sich viele Fans von den Corona-bedingten Auflagen gestört und vermissen die normale Kinoatmosphäre. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass ein Kinosterben die kulturellen Angebote vor allem in kleinen Städten für immer verändert. In einem offenen Brief an den amerikanischen Congress gab die National Association of Theatre Owners an, dass die USA in den nächsten Monaten mehr als zwei Drittel aller Kleinstadtkinos durch Konkursanmeldungen verlieren könnten.

Quelle: Cineworld Group, DGA, NATO, Motion Picture Association