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Tierheim Eisenach kurz vor der Pleite | Alltagsmagazin.de

Tierheim Eisenach kurz vor der Pleite

Ist das Tierheim in der Wartburgstadt Eisenach nach 25 Jahren am Ende? Die Einführung des Mindestlohns im Januar diesen Jahres brachte das Tierheim in massive finanzielle Schwierigkeiten, wie auch Gerd Fischer, Vorsitzender des örtlichen Tierschutzvereins bestätigte. Er erklärte, dass acht Mitarbeiter nötig seien, um die insgesamt 115 Tiere im Heim fachgerecht versorgen zu können. Er erklärte weiter, man könne noch in diesem Jahr pleite gehen, wenn sich finanziell nicht etwas ändern wird. Schon in wenigen Monaten könnte das Tierheim demnach geschlossen werden müssen und die Stadt Eisenach sowie die umliegenden Gemeinden müssten sich selbst darum kümmern, die Fundtiere aufzunehmen und zu versorgen. Dazu sind die Kommunen nämlich gesetzlich verpflichtet.

6.000 Euro monatlich werden im Tierheim Eisenach benötigt

Für den ordentlichen Heimbetrieb benötigt man 6.000 Euro monatlich. Zwar zahlen die Stadt Eisenach und die umliegenden Gemeinden Krauthausen, Seebach und Hörselberg-Hainich, doch das Geld reicht nicht aus. Wie Fischer erklärt, bräuchte man zwei Euro pro Einwohner. Die Stadt Eisenach zahlt aber nur 0,50 Euro pro Einwohner, die anderen Gemeinden einen Euro. Fischer erklärt, dass die Mehreinnahmen aus den mehrfach erhöhten Hundesteuern genutzt werden könnten, doch davon bleibt für das Tierheim nichts übrig. Dabei hatte beispielsweise die Stadt Eisenach erst in diesem Jahr die Hundesteuer auf 84 Euro für den ersten „ungefährlichen“ Hund erhöht.

Fischer verweist außerdem darauf, dass sämtliche Vorstandsmitglieder im Tierschutzverein ehrenamtlich arbeiten. Sie sind zum Teil bereits seit der Gründung im Vorstand, was eine gewisse Kontinuität im Verein deutlich werden lässt. Man setze außerdem nicht auf den Neubau, sondern auf Sanierung, um die Kosten im Rahmen zu halten. Ebenfalls verweist Fischer auf die mehr als 10.000 Tiere, die von 1993 bis 2014 in Eisenach versorgt wurden.

Die Anfänge des Tierheims in Eisenach

In diesem Jahr kann das Tierheim in Eisenach bereits sein 25-jähriges Bestehen feiern, auch wenn es vielleicht das letzte Jubiläum des Tierheims ist. Am 09. Juni 1990 wurde der Tierschutzverein mit 40 Tierfreunden in der Gaststätte „Wiesengrund“ gegründet. Ziel des Vereins war es, ein Tierheim, das es bis dato in der Wartburgstadt nicht gab, zu gründen.

Erste Hunde wurden in den Boxen der DDR-Grenzsoldaten bei Stedtfeld untergebracht. Eine echte Lösung war das jedoch nicht. Man suchte also ein Objekt, um echten Tierschutz zu betreiben. Zunächst fasste man ein Terrain im Mosewald ins Auge, doch die Lösung rückte schnell wieder in weite Ferne. Ebenso blieben die beheizten Tierboxen des ehemaligen Grenzübergangs den Tierschützern verschlossen.

Erst 1992 kam man in Kontakt mit der Treuhand, die die ehemalige Broilermast Trenkelhof/Deubachshof anbot. Die Gebäude glichen Ruinen, es wimmelte aufgrund der Futtersilos nur so von Ratten, alle Gebäudedächer waren undicht. Fischer erinnert sich, dass man trotzdem zuversichtlich gewesen sei. Vom Land Thüringen gab es damals Förderungen für Tierheime, die man gezielt nutzte, um die alten Gebäude wieder aufzubauen. Auch die Stadt Eisenach, damals noch Kreisstadt, heute kreisfrei, gab Geld.

Am 04. April 1993 war es schließlich soweit, der Osttrakt des Tierheims konnte in Betrieb genommen werden. Am Pfingstfest 1993 lernte Fischer einen amerikanischen Militärveterinär kennen. Er sagte zu, mit der gesamten Technik in Eisenach anzurücken, um die Katzen zu kastrieren. Sein General jedoch verbot es dem Veterinär, da die Russen einst in der Stadt stationiert waren. Also kam der Arzt privat und versorgte insgesamt 44 Stadtkatzen.

Bereits 1995 konnte das Tierheim Eisenach den Westtrakt, unter anderem durch die vielen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, eröffnen. Man schaffte es, den Hundebereich freizuschaufeln und herzurichten, so dass fortan auch Hunde untergebracht werden konnten. Zu guter Letzt kamen die Wirtschaftsräume hinzu, die hergerichtet wurden und das Heim, wie man es heute kennt, entstand.

Die Erfolge des Tierheims Eisenach

Bis heute konnten mehrere Tausend Katzen kastriert werden. Im Tierschutzverein Eisenach setzt man auf Jugendarbeit. In Jugendgruppen will man Kindern und Schülern frühzeitig ein Verständnis für den Tierschutz vermitteln. Doch der seit 25 Jahren bestehende Verein besteht bis heute aus nur 74 Mitgliedern. Dabei sterben die alten Mitglieder weg, doch die Jugend rückt nicht nach. Mittlerweile hat man sogar auf den einmal im Jahr stattfindenden Tag der offenen Tür verzichtet und setzt stattdessen auf eine Tierweihnacht.

Trotzdem steht das Tierheim vor dem Aus. Mehrfach wurde es sogar überprüft und zertifiziert. In Thüringen gehört das Tierheim Eisenach zu den drei Tierheimen des Landes, die das Label für eine artgerechte Tierhaltung tragen. Wie Fischer weiter erklärt, mangelt es nicht am Futter für die Tiere, welches ausreichend zur Verfügung steht, sondern am Geld. Die hohen Kosten für die tierärztliche Behandlung und die Medizin machen dem Tierheim zu schaffen.

Gelungen ist es dem Tierheim mittlerweile, seine Vermittlungsquote zu steigern. Dabei gibt es einen Abgabevertrag, erst nach dessen Unterzeichnung werden die Tiere vermittelt. Innerhalb von sechs Monaten nach Vermittlung finden zudem unangekündigte Kontrollen bei den neuen Tierhaltern statt. Doch damit könnte nun bald Schluss sein, wenn sich nicht endlich mehr Spender finden lassen oder die Stadt doch noch einlenkt und mehr Geld zur Verfügung stellt. Das ist aufgrund der maroden städtischen Finanzlage jedoch eher unwahrscheinlich.

Quelle: Thüringer Allgemeine