Am 17. September 1956 wurde auf dem Stockert bei Bad Münstereifel das erste frei bewegliche Radioteleskop dieser Größe in Deutschland eingeweiht. Der von der Universität Bonn errichtete 25-Meter-Spiegel gehörte damals zu den präzisesten Instrumenten seiner Art. 1957 begannen Messungen des interstellaren Wasserstoffs bei 21 Zentimetern Wellenlänge, später kamen Kontinuumsbeobachtungen bei 11 Zentimetern hinzu. 1965 ergänzte ein 10-Meter-Teleskop zur Sonnenbeobachtung den
Astropeiler Stockert: Vom ersten Radioteleskop in Deutschland zum Ort der Bildung
Heute wird die Sternwarte auf dem rund 434 Meter hohen Berg Stockert vollständig ehrenamtlich von einem gemeinnützigen Verein betrieben. Seine Mitglieder erhalten Gebäude und Antennen, planen Messprogramme und arbeiten mit Hochschulen sowie Forschungsinstituten im In- und Ausland zusammen. Studierende nutzen Beobachtungsdaten für Praktika sowie Bachelor- und Masterarbeiten. Schulklassen lernen in Kursen, wie unsichtbare Radiostrahlung Informationen über das Universum liefert. Von Mai bis Oktober vermitteln sonntägliche Führungen die Funktionsweise des 25-Meter-Teleskops und zeigen Messungen live. Hinzu kommen Seminare, Vorträge und eine Amateurfunkstation, die Kontakte in alle Welt ermöglicht. So verbindet der Astropeiler Denkmalpflege mit Wissenschaftskommunikation und eigener Beobachtungspraxis. Er ist kein stillgelegtes System, sondern arbeitet noch immer als aktive Sternwarte mit offenem Zugang.
Wie hat sich die Technik des Radioteleskops entwickelt?
Die größte Veränderung steckt weniger im weithin sichtbaren Stahlbau als in Empfängern, Steuerung und Datenverarbeitung. Frühere Aufzeichnungen auf Papier und schmalbandige analoge Elektronik wichen rauscharmen Verstärkern, stabilen Frequenzreferenzen, digitalen Spektrometern und rechnergestützter Auswertung. Auch die Nachführung der Antennen sowie die Planung und Dokumentation von Beobachtungen erfolgen heute softwaregestützt. Dadurch lassen sich schwache Signale genauer trennen, größere Frequenzbereiche erfassen und Messreihen reproduzierbar speichern. Der Verein entwickelt Instrumentierung und Programme laufend weiter und verbindet dabei historische Mechanik mit zeitgemäßer Elektronik. Diese Modernisierung erweitert die Möglichkeiten für Spektrallinienmessungen, Kontinuumsbeobachtungen und Ausbildungsprojekte, ohne den Charakter des technischen Denkmals zu verwischen.
Die heutige Ausstattung des Astropeilers Stockert
Das Hauptinstrument besitzt einen Parabolspiegel mit 25 Metern Durchmesser und rund 480 Quadratmetern Antennenfläche. Die beweglichen Teile wiegen etwa 90 Tonnen. Trotz des enormen Gewichts kann sich die Konstruktion in ungefähr zwölf Minuten vollständig in der Horizontalen drehen und in rund drei Minuten um 90 Grad in der Höhenausrichtung schwenken. Das Primärfokussystem arbeitet aktuell in den Frequenzbereichen 1,4 und 1,6 sowie 4 Gigahertz und ist grundsätzlich bis 6 Gigahertz nutzbar. Der 10-Meter-Spiegel von 1965 ist parallaktisch montiert und als Cassegrain-System ausgeführt. So können verschiedene Beobachtungsaufgaben ausgeführt werden. Sie reichen vom Nachweis von Wasserstoff der Milchstraße bis zur Erfassung der kosmischen Strahlungen in höheren Frequenzbereichen.
Quelle: Stiftung NRW, Astropeiler Stockert e. V.

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