Winter gefährlich fürs Herz

Die kalte Jahreszeit hat uns mit eisigen Temperaturen fest im Griff. Neben den schönen Seiten des Winters, wie den Rodelmöglichkeiten für den Nachwuchs, gibt es jedoch auch klare Nachteile dieser Zeit. Sie zielen vor allem auf die Gesundheit ab, denn in der kalten Jahreszeit und bei Minustemperaturen steigt nicht nur das Risiko für Atemwegserkrankungen und grippale Infekte, sondern auch für Herzinfarkte, weiß Professor Roland Rau von der Uni Rostock. Der Demograf befasst sich mit den Zusammenhängen zwischen Witterung und Sterblichkeit und hat entdeckt, dass die meisten Todesfälle jedes Jahr von Januar bis März auftreten.

Warum sind wir im Winter anfälliger für Krankheiten?

In den kalten Monaten haben Grippeviren und Co. ein leichtes Spiel. Die Folgen einer Lungenentzündung sind in der kalten Jahreszeit drastischer, weil unsere Abwehrkräfte durch die Kälte oft geschwächt sind. Zudem verengen sich die Gefäße bei Kälte, wodurch der Blutdruck ansteigt. Liegt jetzt bereits eine verengte Arterie vor, kann diese durch die Einwirkungen der Kälte sogar vollständig verschlossen werden. Die Folge ist ein Herzinfarkt.

Ab welchen Temperaturen ist der Winter schädlich fürs Herz?

Es gibt keine pauschale Temperaturangabe, ab der man mit Herzproblemen rechnen muss. Es kommt auf die gefühlte Kälte an. Herzspezialist Professor Thomas Meinertz, der auch Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung ist, erklärt: Wer in die Kälte hinausgeht und plötzlich ein Brennen oder einen Druck im Brustkorb spürt, sollte schnellstmöglich den Arzt aufsuchen und sein Herz gründlich untersuchen lassen.

Zudem sollte man nicht nur das Thermometer im Auge behalten, sondern auch den Wind. Wer sich bei minus drei bis minus fünf Grad Celsius draußen bewegt, kann keine Probleme verspüren. Herrschen die gleichen Temperaturen, begleitet von einem scharfen Wind, erscheint die gefühlte Temperatur deutlich niedriger. Meinertz rät daher Patienten, die ohnehin schon Herzprobleme haben, bei sehr kalten Temperaturen nur mit einem Schal aus dem Haus zu gehen, den sie leicht über Mund und Nase ziehen. So wird die eingeatmete Luft etwas vorgewärmt und das Herz weniger belastet. Bei Minusgraden im zweistelligen Bereich sollte man dagegen auf körperliche Belastungen im Freien weitestgehend verzichten oder diese wenigstens auf ein Mindestmaß reduzieren.

Wann ist Schneeschippen gefährlich?

Patienten, die bereits unter verengten Herzkranzgefäßen leiden, sollten deshalb bei starker Kälte auf körperliche Anstrengungen, wie das Schneeschippen verzichten. Durch diese Tätigkeit könnte das vorgeschädigte Herz überfordert werden, es könnte zum Herzinfarkt oder gar einem plötzlichen Herztod kommen.

Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt Koronarpatienten zudem, sofort einen Arzt aufzusuchen und die weitere Behandlung mit ihm abzusprechen, wenn sie bemerken, dass sie empfindlicher als sonst auf Kälte reagieren. So lässt sich einer sich zunehmend verschlimmernden Angina pectoris vorbeugen. Morgens sollten Patienten zudem erst ihre Tabletten einnehmen, bevor sie zum Bäcker oder anderswie aus dem Haus gehen.

Trotzdem sollte man sich grundsätzlich auch im Winter bewegen. Drei Einheiten pro Woche mit je 30 Minuten Dauer werden empfohlen. Statt allerdings wirklich Sport mit hoher Belastung für den Körper zu wählen, sollte man auf weniger schweißtreibende Maßnahmen setzen, beispielsweise ausgedehnte Spaziergänge durch den Winterwald oder Walking-Einheiten. Auch Joggen empfiehlt die Deutsche Herzstiftung während des Winters. Schwimmen oder gar das Training auf dem Ergometer zu Hause sind weitere Möglichkeiten für die sportliche Betätigung im Winter.

Quelle: asc