Streit um Sommerferien – Kippen die Absprachen?

Die komplexe Planung der Sommerferien der Länder ist jedes Jahr aufs Neue schwierig. Jetzt könnte ein Aus der bisherigen Absprachen drohen.

Der Freistaat Bayern hatte der Neuordnung der Sommerferien eine Absage erteilt. Hamburg drohte daraufhin, dass man alle Absprachen zwischen den Bundesländern auslaufen lassen könne. Hamburgs Bildungsminister Ties Rabe von der SPD erklärte dazu, dass nun jedes Bundesland seine Ferienzeiten im Alleingang festlegen werde.

Wie kam es zu den Absprachen der Sommerferien?

Die Sommerferien werden in Deutschland traditionell abhängig von den Bundesländern versetzt eingeläutet. Ziel ist es, Staubildung auf den Autobahnen zu vermeiden und Hotels eine gleichmäßige Auslastung zu verschaffen. Die Bundesländer, ausgenommen Bayern und Baden-Württemberg, haben sich dabei auf ein rollierendes System geeinigt. Dabei gibt es fünf Ländergruppen, die nacheinander in die Sommerferien starten. Mit frühem und späterem Ferienbeginn wechselt man sich dabei ab.

In Bayern und Baden-Württemberg beteiligt man sich nicht an diesem System. Dort starten die Sommerferien immer Ende Juli oder Anfang August. Die fünf Gruppen gliedern sich wie folgt:

  • Gruppe I – Norddeutschland (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Berlin und Brandenburg)
  • Gruppe II – Mitteldeutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Niedersachsen und Bremen)
  • Gruppe III – Westdeutschland (Nordrhein-Westfalen)
  • Gruppe IV – Südwestdeutschland (Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen)
  • Gruppe V – Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg)

Nach dieser Aufteilung sind die Termine für die Sommerferien bereits bis 2024 beschlossene Sache. Seit Oktober verhandeln die Länder jetzt über die Ferientermine von 2025 bis 2030. Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wollten sich dabei für eine Neuordnung einsetzen.

Bayern handelt sich Kritik ein

Auch Nordrhein-Westfalen kritisiert Bayerns Unbeweglichkeit in dieser Frage. Yvonne Gebauer erklärte dazu, „jedes Gesetz und jede Regelung sollte von Zeit zu Zeit daraufhin überprüft werden, ob es noch sachgerecht, zeitgemäß und zwischen den Ländern eine faire Lösung ist“. Die Bildungsministerin von NRW sieht auf jeden Fall Gesprächsbedarf bei der Regelung der Sommerferien.

In Niedersachsen sieht man ebenso wenig ein, dass Bayern eine Sonderregelung für sich beansprucht. Man könne „nur gemeinsam die beste Lösung finden“, hieß es auf Anfrage vom Bildungsministerium. Dabei seien die Sommerferien grundsätzlich von der Kultusministerkonferenz einvernehmlich festzulegen. Auch „pädagogische Gesichtspunkte“ müssten dabei berücksichtigt werden.

Probleme bei der Ferienverschiebung

Berlin und Hamburg hatten sich zuletzt dafür eingesetzt, die Sommerferien in Zukunft nicht so weit zu strecken. Sie schlagen vor, dass die Sommerferien nicht vor dem 01. Juli beginnen sollten und die Termine der Länder sollten möglichst eng zusammenrücken.

Die Zeitspanne vom Beginn der Sommerferien in den ersten Ländern bis zum Ende in den letzten Ländern lag zwischenzeitlich bei mehr als 85 Tagen. Darin sah man einen Nachteil für die Schüler. Wechselte man von einem späten auf einen frühen Ferienbeginn würde dadurch das dazwischen liegende Schuljahr deutlich verkürzt. Das wiederum hat negative Folgen für die Lernzeit der Schüler und auch die Belastung der Lehrkräfte steige. Ebenso würde sich dieser Sprung auf den Zeitraum der Abschlussprüfungen auswirken.

Quelle: AFP