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Sea Shepherd warnt: Viele Delfine sterben noch immer als Beifang

Strand mit Warnflagge

Der Golf von Biscaya gehört zu den Orten, an denen weltweit die meisten Delfine sterben, weil sie zum Opfer der kommerziellen Fischerei werden.

Die bisherige Bilanz des Jahres 2021 ist erschreckend. Allein in den Monaten Januar und Februar fanden Mitglieder der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd rund 450 tote Delfine im Golf von Biscaya, die infolge eines Kontakts mit der kommerziellen Fischerei starben. Dabei sind die Todesursachen sehr vielfältig. Viele Delfine ersticken in den Schleppnetzen der großen Fischereischiffe. Sie werden bei der Bergung des Fangs einfach über Bord geworfen. Andere Tiere sterben, weil sie beim Kontakt mit den Schleppnetzen schwere Verletzungen davontragen. Die Palette reicht von abgerissenen Flossen bis hin zu tiefen Schnittwunden.

Sea Shepherd ist auch 2021 in der Biscaya unterwegs

Die Meeresschützer starteten im Jahr 2018 die „Operation Dolphin Bycatch“, um auf die Not der Delfine im Golf von Biscaya aufmerksam zu machen. Schon bei den ersten Erkundungsfahrten der „Bob Barker“ entstanden jede Menge Fotos, die das Leiden der Tiere durch die Rücksichtslosigkeit der kommerziellen Fischerei dokumentierten. Sie lieferten Beweise dafür, dass die an die Strände gespülten Tiere nur die sprichwörtliche „Spitze des Eisbergs“ darstellen. Tatsächlich sterben in der Biscaya Hochrechnungen zufolge mehrere Tausend Tiere einen qualvollen Erstickungstod oder werden Opfer der durch Kontakte mit den Schleppnetzen erlittenen Verletzungen. Nach den Einschätzungen der Experten von Sea Shepherd ist die Todesrate unter den Delfinen in der Biscaya um das 30-Fache gegenüber der natürlichen Sterberate in nicht intensiv befischten Gewässern erhöht.

Sea Shepherd nutzte rechtsstaatliche Möglichkeiten zum Schutz der Delfine

Mit diesen Beweisen zogen sie in Frankreich vor Gericht. Das Resultat des Urteils aus dem Jahr 2020 war ein im Januar 2021 vorgestellter Aktionsplan zur Bekämpfung der „versehentlichen“ Tötung von Delfinen in der kommerziellen Fischerei. Diesen Plan stufen die Umweltaktivisten von Sea Shepherd als nicht ausreichend ein und bezeichneten ihn wörtlich als „scheinheilig“. Sie bemängeln einerseits, dass Frankreich eine entsprechende hinausgezögert hat und verweisen dabei auf die allgemein in der Europäischen Union zu beachtenden Verpflichtungen zum Umwelt- und Artenschutz. Anderseits kritisieren die Meeresschützer die Tatsache, dass der neue Aktionsplan Bestimmungen enthält, die in Frankreich teilweise schon seit vielen Jahren gelten. Das heißt, es finden offenbar zu wenig Kontrollen zur Einhaltung dieser Bestimmungen statt.

Golf von Biscaya ist beliebte Urlaubsregion

Dabei resultiert aus dem rücksichtslosen Vorgehen der kommerziellen Fischerei ein weiteres Problem. Nicht nur die Delfine leiden darunter, sondern auch die Tourismuswirtschaft im eigenen Heimatland der Betreiber der Fischereischiffe sowie in Spanien wird geschädigt. Die Küsten der Biscaya erstrecken sich von Brest im Norden über Nantes und Bordeaux an der Ostküste bis nach Bilbao und Cabo Ortegal im Süden. Dazwischen liegen zahlreiche Urlaubsregionen, die bei Touristen sehr beliebt sind. Die spanische Costa Verde ist nur ein Beispiel dafür. Niemand möchte sich an einem Strand sonnen oder baden, an dem tote oder schwer verletzte Delfine angespült werden. Deshalb ist es an der Zeit, dass sich auch die Tourismuswirtschaft beider Länder für strengere Fangbestimmungen im Bereich der rund 223.000 Quadratkilometer umfassenden Biscaya einsetzt.

Quelle: L’Observatoire PELAGIS, Sea Shepherd