Hafen in Rotterdam will CO2-neutral werden

Die für den Hafen in Rotterdam zuständige Betreibergesellschaft hat sich hohe Ziele beim Klimaschutz gesetzt. Der größte Seehafen in Europa soll bis zum Jahr 2050 nahezu CO2-neutral werden. Allerdings scheint sich das noch nicht überall herumgesprochen zu haben.

Die deutsche Bundesregierung hat sich offenbar mit den geplanten Veränderungen am Hafen Rotterdam noch nicht beschäftigt. Zumindest sehen die Antworten auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion danach aus.

Welche Bedeutung haben die Änderungen in Rotterdam für Deutschland?

Die Bundesregierung gibt in ihrer Antwort wörtlich an, „keine eigenen Erkenntnisse zu Einfahrtsbeschränkungen im Hafen Rotterdam“ zu haben. Welch fatale Auswirkungen diese angebliche Unwissenheit haben könnte, zeigt ein Blick auf die geplanten Änderungen. Sie beginnen bereits damit, dass ab 2025 keine Binnenschiffe in den Hafen mehr einlaufen dürfen, welche die Anforderungen aus dem ZRK-Standard II nicht erfüllen. Das könnte gravierende Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben, denn noch sind längst nicht alle deutschen Binnenschiffe auf umweltfreundliche Antriebe umgerüstet worden, obwohl der Bund dafür umfangreiche Förderungen zur Verfügung stellt. Dabei läuft ein großer Teil der Kohleimporte über den Hafen Rotterdam und genau dort sind durch die Umwelt- und Klimaschutzziele der Hafenbetreiber zusätzliche Beschränkungen angedacht. Doch die Bundesregierung gibt an, auch keine Erkenntnisse über die daraus resultierenden Veränderungen im gesamten Güterverkehr zu haben.

Schon jetzt belohnen die Betreiber des Hafens Rotterdam die Reedereien, die ihre Schiffe mit umweltfreundlichen Antrieben auf die Reise schicken. Sie profitieren von erheblichen Reduzierungen der Hafengebühren. Reine Segelschiffe und Schiffe mit Elektroantrieb der Kategorie Binnenschiffe sparen dadurch teilweise sogar die kompletten Hafengebühren. Diesen Teil des Umwelt- und Klimaschutzprogramms lassen sich die Hafenbetreiber insgesamt fünf Millionen Euro kosten.

Wie wird sich der Hafen Rotterdam in Zukunft verändern?

In welche Richtung die Veränderungen gehen, ist bereits sehr deutlich erkennbar. Ein Beispiel ist ein großes Kühlhaus, dessen Dachfläche vollständig von Solarkollektoren bedeckt ist. Das ist ein Beitrag zur Senkung des CO2-Ausstoßes bis zum Jahr 2030 um 49 Prozent und bis zum Jahr 2050 um 95 Prozent gegenüber den Werten aus dem Jahr 2015. Dabei sollen rund 87 Prozent der Einsparungen beim Ausstoß des klimaschädlichen Gases allein durch Veränderungen bei den Schiffstransporten erzielt werden. Für die Erreichung der Klimaziele im Hafen Rotterdam wurden sieben verschiedene Programme gestartet. Beispiele dafür sind die Verbesserung der Energieeffizienz, die verstärkte Nutzung alternativer Kraftstoffe und die konsequente Umstellung auf Elektroantriebe bei Binnenschiffen.

Außerdem will der Hafen Rotterdam künftig die konventionellen Kraftwerke durch die Nutzung erneuerbarer Energien ablösen. Allein bis 2020 sollen im Umfeld des Hafens Windkraftwerke mit einer Gesamtleistung von mindestens 150 Megawatt neu entstehen. Damit steigt die Gesamtleistung der Windkraftwerke zur Hafenversorgung auf 350 Megawatt. Auch die Nutzung geothermischer Energie ist im Gespräch. Auf dem Hafengelände und im Umfeld des Hafens soll die nutzbare Leistung von Solaranlagen bis auf 100 Megawatt gesteigert werden. Dabei pflegt die Hafenverwaltung auch Kooperationen mit Immobilienbesitzern aus der Region.

Quelle: Port of Rotterdam, Bundestag Drucksache 19/4178