Ein Blick in die Geschichte: Wie entstand das Notsignal SOS?

Am 10. Juni 2019 ist es genau 110 Jahre her, dass der Morsecode SOS erstmals von der Besatzung eines Schiffes als Notsignal verwendet wurde. Zum Jubiläum werfen wir einen Blick auf die Geschichte und die aktuelle Bedeutung.

Das Morsezeichen für das Notsignal SOS besteht aus einer pausenfreien Abfolge von 3 kurzen, 3 langen und 3 kurzen Signalen. Diese Signalfolge wird 3 x wiederholt. Dadurch ergibt sich eine Signalabfolge, die sich von allen anderen Signalen deutlich unterscheidet. Sie wurde im Jahr 1904 bei der Kaiserlichen Marine als verbindliches Notsignal eingeführt.

Wie ging die Geschichte beim Notsignal SOS weiter?

Im Jahr 1906 erkannten die Teilnehmer der Internationalen Funkkonferenz die Vorteile des Notsignals SOS. Deshalb wurde es ab dem Sommer 1908 als offizielles Notsignal für die Schiffe aller Nationen eingeführt. Damit löste es die zuvor verwendete Signalfolge CQD ab. Der erste echte Notruf mit diesem Signal erfolgte am 10. Juni 1909 und kam von einem Schiff namens „RMS Slavonia“. Das Schiff gehörte zur britischen Cunard Line und geriet nach einem Grundkontakt vor der Insel Flores in Seenot. Vor dem Untergang der „Titanic“ sendeten die Bordfunker die Notsignale CQD und SOS. Dieses Schiffsunglück führte dazu, dass ab 2012 die rund um die Uhr erfolgende Hörwache auf den Schiffen verbindlich wurde. Auch die dreiminütige Funkstille auf den Notruffrequenzen 2 x pro Stunde ist eine Konsequenz des „Titanic“-Unglücks. Das Notsignal SOS galt in der gewerblichen Seefahrt bis zum Jahr 1999. Danach wurde es vom Seenot-Funksystem GMDSS und dem verbalen Notruf „Mayday“ abgelöst. Dazu gibt es zahlreiche Ergänzungen. Beispiele dafür sind die Aufforderung „Mayday Relay“ zur Weiterleitung eines Notrufs und „Silence Mayday“ als Forderung einer Funkstille.

Welche Bedeutung hat das Notsignal SOS heute?

Komplett verschwunden ist das Notsignal SOS nicht. Es kommt aufgrund der weltweiten Bekanntheit an vielen Stellen zum Einsatz. Ein Beispiel ist die Kennzeichnung von Notruftelefonen mit der Beschriftung SOS. Auch als Lichtsignal an Suchmannschaften zur Ortung von verunglückten Bergsteigern wird es weiterhin verwendet. Wer sich im freien Gelände verirrt hat und Hilfe braucht, sollte die Buchstaben SOS aus Zweigen im Großformat auf den Boden legen, damit sie aus der Luft gesehen werden können. Es ist außerdem üblich, dass sich eingeschlossene Personen mit dem an metallene Gegenstände geklopften SOS-Morsecode bemerkbar machen.

Quelle: Deutschlandfunk