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Coronakrise hat Adipositas und Folgeerkrankungen gefördert

Woman on a weight scale

Die Langzeitwirkungen der Coronakrise betreffen nicht nur die Wirtschaft sowie Auswirkungen einer durchgemachten Erkrankung. Gesundheitliche Langzeitrisiken bleiben auch durch die Folgen der Lockdowns.

Die Bundesregierung musste gerade eben eine Kleine Anfrage zur Entwicklung von Adipositas während der Lockdowns beantworten. Konkrete Zahlen wurden nicht geliefert, aber eine Aussage ist bemerkenswert. In der Antwort heißt es wörtlich, dass das Körpergewicht und der Body Mass Index während der Lockdowns bei Jugendlichen ab 15 Jahren und bei Erwachsenen zugenommen haben. Das belegt Zahlenmaterial des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2020. Genaue Erhebungen zu den Entwicklungen während der Lockdowns der letzten Monate wurden bisher noch nicht ausgewertet.

Coronakrise forciert bei Adipositas bestehenden Trend

Bei den Erwachsenen steigt der Anteil der Menschen mit Adipositas an der Gesamtbevölkerung schon seit zwei Jahrzehnten kontinuierlich. Nach den offiziellen Daten des Statistischen Bundesamts wiesen 1999 rund 10,2 Prozent aller in Deutschland lebenden Frauen Adipositas auf. Im Jahr 2017 waren es bereits 13 Prozent. Bei den erwachsenen Männern betrug der Zuwachs im gleichen Zeitraum 5,3 Prozent. Dabei ist die Verteilung in den einzelnen Altersgruppen sehr unterschiedlich. Den Spitzenplatz bei einem Body Mass Index (BMI) von mehr als 30 nimmt mit 23,5 Prozent die Altersgruppe der 65- bis 70-Jährigen ein. Junge Menschen waren bisher deutlich weniger davon betroffen. Nur rund 4,2 Prozent aller 18- bis 20-Jährigen brachte es zeitgleich auf einen BMI von mehr als 30. Anders präsentiert sich das Bild bei den Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 17 Jahren. Fast jeder fünfte männliche Vertreter dieser Altersgruppe weist Übergewicht oder Adipositas im medizinischen Sinn auf. Bei den Mädchen sind es etwa 2 Prozent weniger.

Deutliche Zusammenhänge mit der COPSY-Studie erkennbar

Im Februar 2021 hatte das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) die Resultate der COPSY-Studie veröffentlicht. Sie bewertete vor allem die Folgen der Herbst- und Winter-Lockdowns. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die im Vergleich zu den ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 auf Sport gänzlich verzichteten, verdoppelte sich in den Befragungen. Legt man die Zahlen vor Beginn der Coronakrise zugrunde, hat sich der Anteil der Probanden, die keinen Sport machen, verzehnfacht. Zudem gaben viele Probanden an, während der Lockdowns öfter genascht zu haben. Beide Parameter unterstreichen die Aussage der Bundesregierung. Eine Ursache dafür dürfte sein, dass sich deutlich mehr Kinder und Jugendliche von der zweiten Lockdown-Welle stark belastet fühlen, als das bei den ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 der Fall war. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die sich als in ihrer Lebensqualität eingeschränkt fühlen, hat sich deutlich gesteigert. Vor der Coronakrise waren es 3 von 10 Kindern und während der zweiten Lockdown-Welle 7 von 10 Kindern. Leider wird häufig die subjektiv als gemindert empfundene Lebensqualität mit dem Griff zu Süßigkeiten und Fast Food kompensiert.

Quelle: Deutscher Bundestag Drucksache 19/30577, UKE Hamburg, Statistisches Bundesamt