Ist Dauerstress ein Risikofaktor für Fettleibigkeit?

Dass Stress an vielen körperlichen Veränderungen mitwirkt, ist hinreichen bewiesen. Nun brachte eine Studie Hinweise darauf, dass Stress auch die Entstehung von Übergewicht und Fettleibigkeit direkt fördert.

Anfang Juli 2018 wurden die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die von Wissenschaftlern aus Lübeck unter der Federführung von Alina Kistenmacher durchgeführt wurde. Dort konnte nachgewiesen werden, dass psychosozialer Stress erheblichen Einfluss auf das Essverhalten hat.

Welche konkreten Resultate brachte die Studie zum Essverhalten bei Stress?

Zuerst einmal muss angemerkt werden, dass die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Studie nicht repräsentativ ist, weil nur 14 männliche Probanden daran teilnahmen. Dennoch liefert sie wichtige Aussagen. Die Probanden wurden einer leicht abgewandelten Version des Trier Social Stress Tests unterzogen. Sie durften sich nach der Feststellung des Stresslevels frei an einem Buffet bedienen. Dabei stellten die Forscher fest, dass gestresste Männer durchschnittlich 41,1 Prozent mehr essen als relaxte Männer. Auffällig bei der Studie war auch, dass sich die Auswahl der Lebensmittel änderte. Probanden mit hohen Stresslevel nahmen bei den Mahlzeiten 25 Prozent mehr Fett auf als sie in entspannten Zustand zu sich nahmen. Der Begriff „Stress-Esser“ scheint also durchaus zuzutreffen, denn die Forscher fanden einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den Veränderungen der Nahrungsaufnahme und den Änderungen der Menge von Phosphocreatin und Adenosintriphosphat im Gehirn.

Welche Arten von Stress wirken sich auf das Essverhalten aus?

Dazu wurden in den Publikationen zur Studie keine Aussagen getroffen. Aber es ist bereits bekannt, dass alle Arten von Stress die gleichen Veränderungen des Gleichgewichts im menschlichen Botenstoffwechsel (Homöstase genannt) verursachen. Das heißt, das Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit nimmt unabhängig von der Stressart zu. Wer ständig existenzielle Sorgen hat, wird also mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenso deutlich mehr und fetthaltiger essen als jemand, der gerade in den „Rosenkrieg“ einer Scheidung verwickelt ist. Die Studie zeigt auch, dass nicht allein die bei Stress fehlende Zeit zur Zubereitung gesunder Speisen die Ursache für die Begünstigung der Fettleibigkeit ist. Die bei der Studie untersuchten Probanden konnten sich aus einen bunt gemischten Buffet bedienen, welches sowohl gesunde als auch ungesunde Lebensmittel enthielt.

Quelle: tandfonline