Amazon gegen Weltklasse-Autoren: Der Streit geht in eine neue Runde

909 Autoren setzen sich gegen Amazon zur Wehr. Das Unternehmen hat in den vergangenen Wochen und Monaten massiven Druck auf das Verlagshaus Hachette ausgeübt. Darin ging es um geringere Preise der Bücher und E-Books des Verlags. Dagegen setzten sich jetzt 909 Autoren mit einem offenen Brief zur Wehr, der als ganzseitige Anzeige in der „New York Times“ erschienen ist. Unter den Autoren, die die Leser dazu auffordern, Stellung im „Bücherkrieg“ zu beziehen, sind auch Bestseller-Autoren, wie Stephen King oder John Grisham.

In dem Brief geht es um die Forderungen Amazons an das Verlagshaus Hachette, die Preise für Bücher und E-Books nicht nur zu senken, sondern auch einen größeren Teil der Verkaufspreise an Amazon abzutreten. Amazon reagierte auf die Ablehnung von Hachette mit drastischen Mitteln.

So wurden die Lieferzeiten für Titel aus dem Verlagshaus künstlich in die Länge gezogen, andere Titel waren auf Amazon plötzlich gar nicht mehr verfügbar und auch der Button für Vorbestellungen noch neu erscheinender Bücher wurde kurzerhand entfernt. Die Krönung war aber, dass auf den Autorenseiten der Autoren, die mit Hachette zusammenarbeiten, Bücher von anderen Verlagen angeboten wurden. Die gewohnten Preisnachlässe für die Bücher des Verlagshauses wurden ebenfalls nicht mehr angeboten.

Die 909 Autoren, die mit ihrem offenen Brief gegen Amazon vorgehen, erklären, dass es nicht sein könne, dass Amazon den Verkauf von Büchern blockiert oder gar auf Konkurrenzprodukte hinweist. Außerdem schreiben die meisten der Autoren, die den Brief aufgesetzt haben, nicht für das Verlagshaus Hachette. Sie betonen aber, dass Amazon seinen Streit auf dem Rücken der Kunden austrage. Damit würde man gegen das Ziel, das „kundenfreundlichste Unternehmen der Welt zu sein“, verstoßen. Die ganzseitige Anzeige in der „New York Times“ kostete rund 104.000 US-Dollar und wurde von einigen der Autoren bezahlt.

Wie reagiert Amazon auf die Vorwürfe?

Dass Amazon des Öfteren versucht, die Preise zu drücken, ist nicht neu. Durch die enorme Größe des Versandhändlers hat man auch gute Chancen dabei. Allerdings will sich Amazon eigenen Angaben zufolge nicht mit seinen Autoren über die Preise streiten und bietet daher die Möglichkeit, direkt bei Amazon zu publizieren und dabei höhere Margen als bei den meisten anderen Verlagen zu erhalten.

Amazon selbst äußerte sich auf die Vorwürfe mit einem eigenen offenen Brief. In diesem begründet man den Preiskampf damit, dass Literatur generell günstiger werden müsse, stünden Bücher doch in harter Konkurrenz zu anderen Medien, wie Filmen, Facebook, Blogs und Co.

Zudem verweist Amazon darauf, dass durch günstigere Verkaufspreise mehr Bücher verkauft werden könnten. Im Endeffekt würden Autoren und Verlage damit deutlich mehr verdienen, als wenn sie weniger Bücher zu höheren Preisen verkaufen würden. Auch die harten Sanktionen gegen Hachette verteidigt Amazon. Das Unternehmen habe drei Monate lang kaum auf die Forderungen reagiert, erst als man die Sanktionsmaßnahmen eingeleitet hatte, kam wieder Bewegung in die Verhandlungen. Außerdem betont Amazon, dass man vorgeschlagen habe, die Verluste der Autoren gemeinsam mit Hachette auszugleichen, was das Verlagshaus jedoch abgelehnt haben soll.