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Nord-Ostsee-Kanal: Wie sichert der Bund die Betriebsbereitschaft?

The Thermalito Power Canal in Oroville, Butte County, North California

Erst kürzlich geriet der Nord-Ostsee-Kanal wegen einer Havarie erneut in die Schlagzeilen. Deshalb stellt sich die Frage nach Vorsichtsmaßnahmen zur Erhaltung der Betriebsbereitschaft./strong>

Der Nord-Ostsee-Kanal hat für die Schifffahrt eine immense Bedeutung, denn die international auch „Kiel Canal“ genannte Wasserstraße verkürzt den Weg von der Nordsee in die Ostsee oder umgekehrt um rund 450 Kilometer. Trotz der Vorschrift der Begleitung durch Lotsen und Kanalsteuerer kam es in den letzten Jahren immer wieder zu Havarien in den Schleusen.

Schleusen sind Problempunkte im Nord-Ostsee-Kanal

Am 19. Februar 2018 beschädigte das Containerschiff „Akacia“ ein Schleusentor in Kiel-Holtenau. Nach den Angaben der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung wurde dieser Crash als schwerer Seeunfall eingestuft. Bei diesem Zwischenfall wurde das seeseitige Tor der Schleuse genau wie der Bug des portugiesischen Frachters schwer beschädigt. Als Unfallursache gab die Bundesstelle im Untersuchungsbericht ein technisches Problem am Antrieb des Schiffs an. Am 29. August 2020 kollidierte der Frachter „Else“ mit dem seeseitigen Schleusentor. Als Ursache wurde menschliches Versagen ausgemacht. Dabei wurde das Schleusentor so schwer beschädigt, dass ein Ersatztor eingebaut werden musste. Zu einer weiteren Kollision kam es am 23. März 2021. Dabei verursachte der Frachter „Wilson Goole“ einen Schaden von mehreren Hunderttausend Euro an der Schleuse zum Nord-Ostsee-Kanal. Das war für die Abgeordneten der FDP-Fraktion Anlass, um die Bundesregierung mit einer Kleinen Anfrage zur Benennung der Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Betriebsbereitschaft der Schleusen am Nord-Ostsee-Kanal aufzufordern. Inzwischen liegt die Antwort vor.

Bundesregierung plant immense Ausgaben am Nord-Ostsee-Kanal

Allein im Jahr 2020 investierte die Bundesregierung nach eigenen Angaben insgesamt rund 216 Millionen Euro. In dieser Summe sind sowohl Erhaltungsinvestitionen als auch Investitionen in den Ausbau und die Verbesserung der Sicherheit enthalten. In die Haushaltsbudgets des Bundes sind in den nächsten Jahren weitere Investitionen in einer Gesamthöhe von 2,6 Milliarden Euro eingeplant. Damit sollen die anfallenden Schließzeiten der Schleusen reduziert werden. Sie lagen vom 21. April 2020 bis zum 20. April 2021 bei 133 Stunden bei der Nordkammer und 84 Stunden bei der Südkammer der Großen Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals. Damit waren beide Kammern in Kiel-Holtenau zu mehr als 98 Prozent der gesamten Zeit verfügbar. Im Jahr zuvor hatten die Ausfallzeiten noch bei jeweils knapp 14,5 Prozent gelegen. Die Hauptursache der Ausfälle waren Inspektionen und Instandsetzungsarbeiten über einen Zeitraum von sechs Wochen.

Welche Bedeutung hat der Nord-Ostsee-Kanal für die Schifffahrt?

Die immense Bedeutung des Nord-Ostsee-Kanals für den Schiffsverkehr wird anhand von Zahlen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes deutlich. Im Jahr 2019 passierten insgesamt 28.797 Schiffe die Schleusen und den Kanal. Sie transportierten knapp 83,48 Millionen Tonnen Ladung. Im Jahr 2020 befuhren 25.247 Schiffe den Nord-Ostsee-Kanal. Die Reduzierung ihrer Anzahl ist den Folgen der Coronakrise geschuldet. Keine Reduzierung gab es bei der Anzahl der Sportboote, die an den Schleusen und im Kanal gezählt werden. Schon seit längerer Zeit passieren den Kanal pro Jahr rund 20.000 Sportboote.

Quellen: Deutscher Bundestag Drucksache 19/29326, BSU Bund, Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt