Kein Aprilscherz: Ab 1. April 2017 gibt es eine psychotherapeutische Sprechstunde

Am 18. und 19. März 2017 findet in Leipzig nach langer Pause der Ostdeutsche Psychotherapeutentag statt. Im Vorfeld gab Andrea Mrazek, die derzeitige Vorsitzende der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer, ein Statement zu den geplanten Änderungen ab, die am 1. April 2017 in Kraft treten sollen. Zu den Änderungen gehört auch die Einführung einer psychotherapeutischen Sprechstunde, für welche die Therapeuten mindestens 100 Minuten pro Woche aufwenden müssen. Sie soll ähnlich funktionieren wie die Sprechstunde bei Fachärzten. Außerdem müssen Psychotherapeuten für Terminvereinbarungen ab April mindestens 200 Minuten pro Woche telefonisch erreichbar sein.

Welche Konsequenzen hat das für Patienten?

Hier kommen die ab Jahresanfang 2018 greifenden Änderungen ins Spiel. Ab diesem Termin können Patienten nur dann einen Antrag auf eine längerfristige Psychotherapie stellen, wenn sie zuvor in der Sprechstunde eines Psychotherapeuten gewesen sind. Das gilt auch, wenn eine Akutbehandlung wegen persönlicher Krisen notwendig ist. Die derzeitigen Engpässe in den Kapazitäten der Psychotherapeuten dürften sich damit nicht beseitigen lassen, denn die für die Sprechstunde aufzuwendende Zeit geht als Behandlungszeit verloren. Hinzu kommt, dass die 100 Minuten pro Woche sehr wenig sind. Bei 10 Minuten pro Patient können gerade einmal Vorgespräche mit zehn Patienten pro Woche geführt werden. Seitens der Kassenärztlichen Vereinigungen gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass die Anzahl der zugelassenen Psychotherapeuten in absehbarer Zeit erhöht werden könnte.

Was ziehen die geplanten Änderungen noch nach sich?

Andrea Mrazek betonte in ihrem Statement, dass auch die Anträge auf eine Psychotherapie durch die Umstellung noch komplizierter als bisher werden. Das bindet bei den Therapeuten zusätzliche Zeit. Die geforderten 200 Minuten telefonische Erreichbarkeit wirken sich dort nicht aus, da sie lediglich für die Terminabsprachen genutzt werden sollen. Das kann auch vom Praxispersonal erledigt werden. Die Kammerchefin betonte außerdem, dass die Therapeuten künftig verstärkt alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen müssen. Das heißt, sie können Patienten durchaus auch auf Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen verweisen. Andrea Mrazek zeigte sich sehr erfreut über den Trend, dass die Psychotherapie inzwischen vielerorts sehr differenziert auch in Krankhäusern sowie in onkologischen und kardiologischen Praxen angeboten wird.

Quelle: Interview mit der LVZ