Herrscht am San-Andreas-Graben die „Ruhe vor dem Sturm“?

Schon lange warnen Geologen davor, dass im südlichen Abschnitt des San-Andreas-Grabens ein größeres Erdbeben überfällig ist. Dort staut sich immer mehr Energie. Das zeigen die aktuellen Statistiken.

Rund um die Pazifische Platte hat es in den letzten dreißig Tagen mehr als 300 Erdbeben mit einer Stärke von mehr als 4,5 auf der nach oben offenen Richterskala gegeben. Allerdings gab es in einem Bereich keine Erdbeben mit derartigen Stärken. Das ist nach den Erdbebenkarten des United States Geological Survey der südliche Abschnitt am San-Andreas-Graben.

Was bedeutet diese Entwicklung am San-Andreas-Graben?

Entlang des San-Andreas-Grabens verschiebt sich die Pazifische Platte nach Norden, während die Nordamerikanische Platte nach Süden wandert. Dadurch bauen sich Spannungen auf, die sich regelmäßig in Erdbeben entladen. Derzeit treten am südlichen Abschnitt der San-Andreas-Verwerfung nur kleinere Erdbeben auf, die meistens eine Stärke von 3,5 nicht überschreiten. Damit kann nur ein kleiner Teil der angestauten Energie abgebaut werden. Geologen gingen deshalb bereits im Jahr 2006 davon aus, dass in Südkalifornien die Wahrscheinlichkeit für ein Erdbeben mit der Stärke 7,5 oder mehr bis zum Jahr 2038 bei mehr als 99 Prozent liegt. Die geologischen Wissenschaftler in Kalifornien bezeichnen die Region im Osten von Los Angeles wörtlich als „im zehnten Monat schwanger“. Anders sieht es im Norden aus. Im Abschnitt zwischen Petrolia und Port Hardy kommen häufiger Erdbeben auch mit Stärken über 5,0 auf der Richter-Skala vor. Welche Auswirkungen heftige Erdbeben in diesen Regionen haben können, zeigte sich in San Francisco im April 1906 sowie im Januar 1994 beim Northridge-Beben in der Region Los Angeles.

Cascadia-Subduktionszone ist ebenfalls in Bewegung

Das zeigt die Tatsache, dass die Pazifische Platte sowohl im Norden als auch im Westen an die angrenzenden Platten drückt. Im Norden gab es in den letzten 30 Tagen Erdbeben bis zu einer Stärke von mehr als 5,0. Im Westen wurde die Region Nemuro in Japan von einem Beben der Stärke 6,0 (am 2. März 2019) erschüttert. Die Cascadia-Subduktionszone schließt sich nördlich an die San-Andreas-Verwerfung an. Historische Daten zeigen, dass es vor vielen heftigen Erdbeben am San-Andreas-Graben erhöhte Erdbebenaktivitäten in der Cascadia-Subduktionszone gab. Die statistische Wahrscheinlichkeit eines solchen Ablaufs liegt bei rund 90 Prozent.

Quelle: USGS (Daten Stand 11.03.2019)