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Affenpocken haben auch Deutschland erreicht

Nurse giving an injection

Inzwischen hat das RKI einen ersten Fall von Affenpocken in Deutschland bestätigt. Ärzte und Ärztinnen sollten diese Möglichkeit in ihre Diagnostik einbeziehen.

Die ersten Fälle von Affenpocken in Europa wurden nach den offiziellen Angaben des RKI Anfang Mai 2022 in Großbritannien registriert. Eine infizierte Person muss sich nach den bisherigen Erkenntnissen in Nigeria damit angesteckt haben. Inzwischen wurden acht weitere Fälle in Großbritannien gemeldet, die sich nicht in den Verbreitungsgebieten der Affenpocken aufgehalten haben und auch mit der infizierten Person keinen Kontakt hatten. Außerdem wurden mehrere Fälle von Affenpocken in Portugal, in den USA, in Kanada sowie in Spanien, Belgien und Schweden bestätigt. Als mögliches Spreader-Event wird nach Angaben der spanischen Zeitung „El País“ die „Maspalomas Pride“ diskutiert, die vom 5. bis zum 15. Mai 2022 auf der Ferieninsel Gran Canaria stattgefunden hat.

Wie geht Deutschland mit dem Eintreffen des Erregers Monkeypox um?

Am 20. Mai 2022 wurde in München ein erster Fall der Infektionskrankheit in Deutschland per Labornachweis bestätigt. Die medizinischen Bezeichnungen des Erregers lauten in der veralteten Version Orthopoxvirus siminae und in der aktuellen Version Monkeypox virus. Bereits im Jahr 2014 konnten erste Nachweise zur Anpassung des Virustyps an den menschlichen Organismus erbracht werden. Die Übertragung von Mensch zu Mensch gilt derzeit als selten, ist aber möglich. Deshalb wird der infizierte Patient in der Klinik in München isoliert. Das Gesundheitsamt München arbeitet bereits mit Hochdruck daran, alle Kontaktpersonen zu ermitteln. Nach den übereinstimmenden Angaben des bayerischen Landesgesundheitsministeriums und des RKI besteht nur ein geringes Risiko für eine Ausbreitung, da für eine Übertragung von Mensch zu Mensch intensive körperliche Kontakte oder unmittelbare Kontakte mit Körperflüssigkeiten erforderlich sind. Dennoch sollten Ärztinnen und Ärzte diese Möglichkeit beim Auftreten der bei den Affenpocken üblichen Symptome in ihre diagnostische Vorgehensweise einbeziehen.

Wissenswerte Fakten rund um die Affenpocken

Die ersten Symptome treten zwischen 7 und 21 Tagen nach dem Kontakt mit dem Erreger Monkeypox virus auf. Sie beginnen mit Kopf und Muskelschmerzen sowie Rückenschmerzen und Fieber. Außerdem schwellen die Lymphknoten an. Nach einigen Tagen zeigen sich punktuelle Farbveränderungen der Haut, die bei den bisher gemeldeten Fällen entweder im Gesicht oder rund um den Genitalbereich begannen. Dort bilden sich später kleine Knötchen und Bläschen, die dann zu eitergefüllten Pusteln werden und beim Abheilen Krusten bilden. Das heißt, die Hautveränderungen weisen Ähnlichkeiten mit den klassischen Pocken und Windpocken auf. Bei den Affenpocken handelt es sich um eine europaweit meldepflichtige Erkrankung.

Welcher Schutz gegen die Affenpocken ist möglich?

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Österreich besteht bei den älteren Generationen Immunität, die noch einen der bis 1980 zur allgemeinen Bekämpfung der Pockenviren verwendeten Impfstoffe erhalten haben. In Deutschland wurde zuletzt ein Impfstoff mit einem Modified-Vaccinia-Ankara-Virus verwendet, den der deutsche Mikrobiologe Anton Mayr 1975 entwickelt hat. Das heißt, bei einer weiteren Ausbreitung der Affenpocken stünde im Gegensatz zu COVID-19 sofort ein bereits langjährig erprobter und zuverlässiger Impfstoff bereit. Zudem ist der Anteil der Menschen in Deutschland hoch, die bereits einen Impfschutz haben. In Bayern wurde die Impflicht gegen die Pocken bereits im Jahr 1807 eingeführt. Seit 1874 galt im gesamten Deutschen Reich eine Impfpflicht. In der Westhälfte Deutschlands wurde die Pockenimpfpflicht erst 1976 außer Kraft gesetzt. 1980 stellte auch die ehemalige DDR die Pockenimpfungen ein, nachdem die WHO die Pocken im Jahr zuvor als ausgerottet erklärt hatte
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Quelle: RKI, Landesgesundheitsministerium Bayern, WHO, dpa, El País