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WM-Maskottchen auf der Roten Liste

Die Rote Liste der bedrohten Arten wurde wieder aktualisiert. Aktuell finden sich darauf mehr als 22.000 Tiere und Pflanzen. Darunter auch das Dreibindengürteltier aus Brasilien, das als Maskottchen der diesjährigen Fußball-WM auserkoren wurde. Neben ihm sind Feuchtnasenaffen, die in Madagaskar beheimatet sind und Japanische Aale bedroht. Die IUCN erstellt seit mittlerweile fünf Jahrzehnten die Rote Liste der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten.

Das WM-Maskottchen ist „verletzlich“

Das Dreibindengürteltier, das wissenschaftlich als Tolypeutes tricinctus bezeichnet wird, aber auch unter dem Beinamen Nördliches Kugelgürteltier bekannt ist, ist derzeit „verletzlich“. In den vergangenen zehn bis 15 Jahren ist sein Bestand um gut ein Drittel zurückgegangen, wie die IUCN mitteilte. Zwar besteht hier keine akute Gefahr des Aussterbens, aber dennoch sind die Gürteltiere „verletzlich“.

Dies besagt, dass ein hohes Risiko dafür besteht, dass die Art in naher Zukunft aussterben kann. Als Grund gibt die IUCN die immer weiter schrumpfenden Lebensräume der Gürteltiere an. Die trockenen Buschlandschaften im Nordosten Brasiliens, in der Caatinga sollen künftig gut um die Hälfte absinken.

Dass sich die brasilianischen Organisatoren der Fußball-WM ausgerechnet für das lebende Vorbild Fuleco, ebenfalls ein Dreibindengürteltier, entschieden haben, ist ein Zeichen für den Naturschutz. Nicht nur aufgrund der Wahl dieses Maskottchens, sondern ebenso aufgrund seines Namens. Der Name Fuleco wurde von den Worten Futebol und Ecologia abgeleitet. Sie stehen im Portugiesischen für Fußball und Ökolgie.

Zahlreiche Orchideen ebenfalls auf der Roten Liste

Jane Smart ist im schweizerischen Gland für die Abteilung Artenvielfalt im IUCN-Hauptquartier verantwortlich. Die britische Naturforscherin bestätigt, dass man vor einer Krise des Aussterbens stehe. Insgesamt hat man 74.000 Arten untersucht. Dass Nashörner, Tiger und Eisbären vom Aussterben bedroht sind, ist längst bekannt. Jedes Jahr werden aber auch weitere Tier- und Pflanzenarten untersucht, so dass die steigende Zahl der bedrohten Arten sich dadurch schon erklären lässt.

Besonders drastisch ist die Bedrohung für Orchideen. 79 Prozent der Frauenschuh-Orchideen, die in den gemäßigten Klimazonen Nordamerikas, Europas und Asiens beheimatet sind, gelten als bedroht. Einer der Gründe für die Bedrohung ist der fortschreitende Rückgang der Wälder. Aber auch, dass mehr Handel mit den Wildblumen betrieben wird, als erlaubt ist, spricht für die Ausweitung der Bedrohung. Im Bericht heißt es weiter, dass von der Orchideenart Cypredium lentiginosum, die in der chinesischen Provinz Yunnan vorkommt, noch weniger als 100 Exemplare vorhanden sind.

Japanischer Aal und Feuchtnasenaffen auf der Roten Liste

Ebenfalls gilt der Japanische Aal, wissenschaftlich als Anguilla japonica bekannt, als stark gefährdet. In Japan ist Aal zwar der teuerste Fisch, allerdings ist er auch zu den traditionellen Delikatessen des Landes zu zählen. Die IUCN gibt an, dass neben der Überfischung und Gewässerverschmutzung auch Barrieren für die Migration des Aals verantwortlich für dessen Bedrohung seien.

Darüber hinaus sind etwa 100 Arten der Lemuren bekannt. 94 Prozent von ihnen sollen bereits in naher Zukunft von der Erde verschwunden sein. Die zur Gruppe der Feuchtnasenaffen gehörenden Lemuren leben vorwiegend in Madagaskar. Dort werden jedoch immer mehr tropische Wälder vernichtet, so dass die Lemuren derzeit zu den Spezies der Erde gehören, die am meisten gefährdet sind.

Rote Liste zeigt, dass immer mehr Arten aussterben

Der WWF kommentiert die Rote Liste wie folgt: Es könnte uns das größte Massensterben seit dem Aussterben der Dinosaurier bevorstehen. Allerdings gibt es auch einige positive Beispiele. So konnten das Przewalski-Wildpferd und das Wisent dank Wiederansiedlung gerettet werden.

Nachdem die Rote Liste jetzt seit mehr als einem halben Jahrhundert geführt wird, möchte man meinen, dass sie den Umfang des Artensterbens präzise wiedergeben kann. Doch weit gefehlt. Experten glauben, dass jährlich Tausende Tier- und Pflanzenarten von der Erde verschwinden. Man geht davon aus, dass auf der Erde zehn bis 100 Millionen verschiedenste Spezies leben, von denen jedoch bisher nur zwei Millionen bekannt sind. Auf der Roten Liste konnten erst 74.000 Arten erfasst werden.

Die IUCN äußert sich dahingehend, dass man bis 2020 160.000 Arten auf der Roten Liste erfassen will. Damit könnte man klarere Aussagen als bisher treffen. Allerdings bleibt ungewiss, ob das ehrgeizige Ziel aufgrund der knappen Gelder erreicht werden kann. Denn die Pflege der Roten Liste kostet bereits jetzt gut fünf Millionen Dollar jährlich.